Auch Stefan Breuer vom Schuhhaus Breuer aus Wassenberg blickt optimistisch auf die kommenden Wochen: „Wir bekommen viele Anrufe von interessierten Kunden, die Termine buchen wollen, insbesondere zum Kauf von Kinderschuhen. Nach aktuellem Stand werden wir bis kommenden Freitag gut zu tun haben. Ich bin sehr positiv davon überrascht, wie viele Kunden uns trotz Lockdown die Treue gehalten haben. Auch viele Neukunden haben Kontakt zu uns aufgenommen. Es legen offenbar wieder mehr Eltern Wert darauf, die Füße ihrer Kinder vermessen zu lassen, um gut passende Schuhe zu kaufen.“ Die ländliche Lage des Schuhhauses nahe der niederländischen Grenze komme dem Unternehmer in der aktuellen Situation zu Gute. „Wir haben ein kleines Geschäft in einem kleinen Ort, und wir bieten persönlichen Service. Das wird gut angenommen. Wir haben ein Hygienekonzept, auf dessen Einhaltung wir größten Wert legen.“
Laurent Becker vom gleichnamigen Schuhhaus in Rees zeigt sich besorgt über die mögliche Entwicklung in den kommenden Wochen: „Wir sehen die geplanten Öffnungsschritte einerseits positiv, haben andererseits aber auch Sorge, dass die Infektionszahlen wieder steigen könnten. Wenn jetzt viele Händler wieder öffnen dürfen, werden die Menschen vielleicht leichtsinnig und nehmen die Dinge nicht mehr so genau. Dann wären wir in vier Wochen wieder da, wo wir vorher waren.“ Da das Unternehmen nicht nur Schuhhandel betreibt, sondern auch eine orthopädische Werkstatt, hat man auch während der Geschäftsschließung einige Serviceleistungen anbieten können. Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr habe es viel Zuspruch von Kunden gegeben, die ganz bewusst nicht im Internet gekauft hätten. Für die anstehenden Öffnungen sei man gut vorbereitet, so Becker: „Man kann telefonisch Termine vereinbaren oder über ein Tool, das uns über den SABU angeboten wurde: Next Level Shopping ermöglicht uns die Beratung per Video und hat auch eine Kalender-Funktion für die Terminbuchung. Je nach Auslastung werden wir freie Zeitfenster dafür nutzen, den Kunden, die sich angemeldet haben, schon einmal Auswahlen zusammenzustellen. Daher fragen wir bei telefonischen Terminvereinbarungen schon nach den Wünschen der Kunden. Wir wollen sicherstellen, dass wir sie umfassend beraten können. Unsere Kunden schätzen das sehr, viele von ihnen kennen wir seit Jahren.“
Bernd Frölich vom Schuhhaus Frölich aus Duderstadt startete die Woche mit gemischten Gefühlen: „Trotz eigentlich erfreulicher Inzidenzen dürfen wir in unseren vier Geschäften leider nur Click & Meet anbieten, weil wir uns am Landesinzidenzwert orientieren müssen. Es sind Kunden da und wir haben einige Termine vergeben. Wir arbeiten mit angezogener Handbremse, aber es ist besser als nichts. Ich sehe die jetzt erlaubten Öffnungen als Chance, um überhaupt eine Rückmeldung auf unser Angebot zu erhalten und wieder mit Menschen in Kontakt treten zu können.“ Während des Lockdowns habe man durch die geöffnete Ladentür bedienen dürfen. Für die Anprobe mussten die Kunden zu einer 20 m entfernten Sitzbank gehen. „Wir haben ihnen dafür eigens einen kleinen Teppich mitgegeben, damit die Anprobe komfortabel ablaufen kann. Wir sind Platzhirsch an unseren Standorten. Die Menschen kommen ganz bewusst zu uns. Es fällt mir aber schwer zu verstehen, warum wir so starken Restriktionen unterliegen, während bei Edeka die Polonaise an der Frischetheke erlaubt ist oder bei Real Schuhe und T-Shirts in Massen verkauft werden dürfen“, so Frölich. „Ich frage mich auch, wie wir den Einkauf für Herbst/Winter gestalten sollen. Wie sollen wir die kommende Saison valide planen? Die Krise wirft auch ein Schlaglicht auf unser Geschäftsmodell als solches, bei dem wir uns sechs Monate im Voraus für einen Zeitpunkt festlegen müssen, der gar nicht kalkulierbar ist.“