Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, will Görtz-Inhaber Bolko Kissling neue Filialen in Hamburg eröffnen. In der Zeitung läuft die Meldung in der Rubrik ’Kaum zu glauben‘. Die Ankündigung Kisslings kommt nach Monaten, in denen die Schuhhandelskette durch eine erneute Insolvenz Schlagzeilen machte. Ende Juli mussten die letzten Görtz-Geschäfte in Deutschland schließen, darunter auch das traditionsreiche Stammhaus an der Spitalerstraße. Knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze, während Gläubiger auf Forderungen in Millionenhöhe sitzenblieben.
Besonders symbolträchtig war die Schließung des Hauses an der Ecke Spitalerstraße/Mönckebergstraße. Mit 4000 qm Verkaufsfläche galt es lange als das größte Schuhhaus Europas. Nach einer Räumungsklage wegen Mietschulden im Millionenbereich endete dort eine Ära. Auch weitere Standorte in Hamburg, darunter im Elbe Einkaufszentrum, im CCB Bergedorf und im AEZ Poppenbüttel, mussten aufgegeben werden.
Der vorläufige Insolvenzverwalter hat einen Investorenprozess gestartet. Laut Hamburger Abendblatt gebe es mehrere Interessenten für einzelne Standorte. Währenddessen laufen Ausverkäufe in den noch bestehenden Filialen, etwa in der Europa Passage und im Mercado Ottensen. Nicht betroffen von der Insolvenz sind die Görtz-Lounge-Geschäfte, die über eine separate Gesellschaft von Kissling betrieben werden.
Auch die österreichische Görtz-Gesellschaft ist von der Insolvenz betroffen. Die in GAT Retail GmbH umbenannte Firma mit Sitz in Wien ist zahlungsunfähig, betroffen sind 108 Gläubiger mit Forderungen in Höhe von rund 2,3 Mio. Euro. Laut Kissling, so schreibt es das Hamburger Abendblatt, wird eine Sanierung angestrebt. Ein Konzept sieht unter anderem die Schließung teurer Standorte, die Umstellung von Waren- und Kassensystemen sowie die Wiedereröffnung des Onlineshops vor. Gläubiger sollen eine Quote von 20 % erhalten.
Parallel baut Kissling laut dem Hamburger Abendblatt neue Standorte in Deutschland auf. Unter dem Label „Görtz Lifestyle“ gibt es inzwischen Filialen in Bochum, Erfurt, München und Mannheim, eine weitere eröffnete im August in Wiesbaden. Zudem kündigte Kissling an, die Marke Sansibar für Schuhe, deren Rechte er erworben hat, stärker in den Fokus zu rücken. Erste Kollektionen mit Outdoor-Schuhen seien bereits in Vorbereitung.