Carl-August Seibel ist Schuhhersteller und –händler. Und seit Kurzem Vorsitzender des HDS/L. Im Gespräch mit schuhkurier erklärt der Unternehmer, welche Chancen er für die Branche sieht, warum es mehr gemeinsame Anstrengungen braucht und was der Sneaker-Trend für klassische Schuhhersteller bedeutet.
12.07.2017
Petra Salewski
2 Minuten
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Herr Seibel, zu Anfang eine Frage aus aktuellem Anlass: Sie werden in Kürze einen Sneaker-Store in Hauenstein eröffnen. Warum? Carl-August Seibel: Sneaker sind absolute Trendschuhe; das ist ein ganz großes Thema mit weitreichenden Folgen. Alles wird weich und bequem. Daran wird sich nichts mehr ändern, auch wenn es Verschiebungen zwischen einzelnen Marken gibt. Ein Pumps ist nach fünf Stunden schwierig zu tragen. Den hat man im Schuhschrank und wählt ihn zu bestimmten Anlässen. Aber das ist keine Welle. Mir geht es darum, mit dem Thema Sneaker Erfahrungen zu sammeln.Unser Store Fourty Tree soll in Hauenstein und Umgebung ein Anziehungspunkt werden. Wir können doch die enorme Nachfrage nach diesem Segment nicht ignorieren! Wenn das Thema boomt, möchte ich zumindest ein kleiner Teil davon sein. Sie sind also Sneaker-Händler, Schuhhersteller, Vorsitzender eines Industrieverbands. Ist das kein Widerspruch? Für mich ist es normal, die ’Kappen‘ zu wechseln. Ich sitze in Bilanzbesprechungen und wenig später diskutiere ich Marketingthemen.Ich habe auch schon in der Leiser-Zeit Erfahrungen als Schuhhändler gesammelt und war zugleich Industrie-Unternehmer. Jetzt kommt die Verbandsverantwortung hinzu. Mir ist klar, dass der HDS/L in vielen Bereichen noch eher traditionell denkt. Wir müssten eigentlich schon weiter sein. Vielleicht kann ich diesen Prozess positiv begleiten. Was bedeutet es für einen Verband wie den HDS/L, dass Sneaker ein Megatrend sind? Seien wir ehrlich: Wir, die Hersteller unseres Verbandes, haben nicht die Schuhe, die die Sneakerträgerin sucht. Wir versuchen daher, diese Themen umzusetzen – wenn auch mit überschaubarem Erfolg beim Kunden. Es gibt einige Schuhe, die ganz gut laufen – aber eine große Euphorie lösen wir damit nicht aus. Als klassischer Hersteller müssen wir uns dem Thema trotzdem stellen. Für uns heißt das: Weiße Schalensohlen-Sneaker auch für eine Marke wie Gerry Weber. Oder Seibel-Schuhe mit Strickschaft auf Leichtzellsohle. Die Kunden wollen die Mischung aus Sportivität, Leichtigkeit, Bequemlichkeit und trotzdem einem ’angezogenen‘ Look. Das können wir nicht ignorieren. Sie halten eine Beschleunigung in der Produktion für notwendig. Spielt 3D-Druck dabei eine Rolle? Wir experimentieren derzeit damit, diese Technologie bei uns ans Laufen zu bekommen. Wir sind da sehr zuversichtlich und wollen in Kürze die erste Form drucken lassen. Wenn das geht, verfügen wir über ein enormes Einsparpotenzial von bis zu zwei Monaten der bisherigen Vorlaufzeit. Wir können dann länger warten, bis wir entscheiden. Und der Händler hat auch mehr Zeit. Wir sind damit näher am Bedarf. Gleichwohl brauchen wir dafür eine solide und vertrauensvolle Basis. Wenn der Handel insgesamt seine Order herunterfährt und darauf setzt, später nachzuziehen, dann aber kein Budget mehr hat, kann ich als Hersteller nicht genug verkaufen. Das vollständige Interview lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier.