Roland Berger schlägt Alarm. Acht von zehn Handelsunternehmen in Deutschland haben keine Omnichannel-Strategie. Immer noch nicht. Sieben von zehn schätzen ihre Kompetenz in diesem Feld zudem als unzureichend ein. Es ist ein äußerst mageres Bild, das die Unternehmensberatung unter der Überschrift ’Die Omnichannel-Lüge‘ vom deutschen Einzelhandel zeichnet. Das harte Urteil der Berater: Der deutsche Handel besteht zu zwei Dritteln aus Nachzüglern und Mitläufern. Vorreiter oder echte Champions in Sachen kanalübergreifendem Shopping sind dagegen eine Seltenheit. Verschläft der Handel die eigene Zukunft?
Im Gegenteil. Die Ergebnisse der Befragung von rund 100 Handelsunternehmen können auf den zweiten Blick nicht wirklich überraschen. Ja, der Handel ringt weiterhin um eine Antwort auf den E-Commerce. Das gilt auch und insbesondere für die mittelständisch geprägte Schuhbranche. Den meisten Verantwortlichen ist aber mittlerweile klar, dass das konstante Wachstum des Onlinehandels eine Reaktion erfordert. Die geeignete Strategie zu entwickeln, ist vielerorts Chefsache. Doch wie genau sollte diese aussehen? Was tun? Und was besser nicht? Wer genau hinschaut, kann im zehnten Jahr nach Gründung von Zalando in unserer Branche vielfältige Aktivitäten beobachten. Sei es im Bereich des eigenen Webshops, dem Verkauf über eine Plattform oder auch in der Kommunikation über Social Media. Es wird getestet und evaluiert. Erfahrungen gesammelt und ausgetauscht. Das Bewusstsein für das Ausmaß der Herausforderung ist geschärft. Auf der mühsamen Suche nach dem passenden Vorgehen kommt jedoch erschwerend hinzu, dass es keine Lösung von der Stange gibt. Und über Nacht geht schon mal gar nichts. Den jeweils eigenen Weg zu finden, erfordert vor allem eines: Mut.
Bei Werdich in Dornstadt hat man diesen Mut offenbar. Bereits vor rund zwei Jahren hat das Familienunternehmen eine Vision von der Zukunft als Schuhhändler entwickelt: Werdich 4.0. „Wir wollen die Digitalisierung in der Schuhbranche aktiv annehmen und mit den Stärken unseres Unternehmens verknüpfen“, erläutert Friedrich Werdich. Nach langen Monaten der Arbeit im Hintergrund werden in diesen Tagen die ersten konkreten Umsetzungen auf der Fläche sichtbar. Das hat durchaus Vorbildcharakter.
Friedrich Werdich verweist im Übrigen auch auf den Treiber dieser Entwicklung: den Kunden. An seinen Wünschen führt kein Weg vorbei. Und der Konsument will heute vor allem eines: Über alle Kanäle hinweg einkaufen. Wann und wo er will. Nahtlos. Und ohne Probleme. Bis die Branche an diesem Punkt ist, wird noch Zeit vergehen. Aber sie ist auf dem Weg.