Über 6.500 angebundene Dritthändler hatte sich die Otto Group im Mai 2023 noch gefreut. Auch der Umsatz sei zu dem Zeitpunkt um ganze 50% gestiegen. Doch bereits nach wenigen Monaten änderte sich die Situation für den Handelsmarktplatz, berichtet das Handelsblatt.
So habe es bereits im März begonnen, als Vorstand Bodo Kipper das Unternehmen wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung“ verließ. Auch folgten drastische Gebührenerhöhungen und Kündigungen von Marktplatzpartnern.
Dem Handelsblatt gegenüber bestätigt ein Otto-Sprecher außerdem: „Rund 500 Partner haben nach Anpassungen der Nutzungsgebühren und der damit einhergehenden Erhöhung der Grundgebühr inklusive Provisionen selbst gekündigt.“
Laut dem Marktplatz-Experten Mark Steier wurden zwischen April und August 2024 1.178 Händleraccounts auf Otto.de gelöscht. Das entspricht mehr als einem Sechstel der 2023 noch gefeierten 6.500 Partner. Zu den Kündigungen gibt es derweil unterschiedliche Angaben: Während das Unternehmen sagte, seit Juni rund 150 Partnern aufgrund von Verstößen gekündigt zu haben, berichten Händler von Kündigungen, die bereits im März eingesetzt haben.
„Wir können uns bis heute nicht erklären, was wir falsch gemacht haben könnten“, sagt ein gekündigter Händler gegenüber dem Handelsblatt. Vor allem angesichts der hohen Investitionskosten (10.000 Euro für das Onboarding, ein fünfstelliger Betrag für die Software) seien die Kündigungen unerwartet gewesen. Eine Mediation zwischen Unternehmen und Partnern lehnt Otto bisher nach Angaben von Rechtsanwalt Lars Maritzen ab.
Neuer Vorstand und neue Gebühren
Neben dem Händlerschwund ging es auch mit dem Umsatz zuletzt bergab: Der Umsatz, den Otto selbst über die Plattform macht, ist um 4,7% auf 6,2 Mrd. Euro gesunken. Die gestiegenen Provisionen der Marktplatzhändler sind darin bereits enthalten. Auch die Grundgebühr für Händler stieg zuletzt von 39,90 auf 99,90 Euro. Zum Vergleich: Amazon verlangt eine monatliche Gebühr von 39 Euro, Zalando und Ebay starten bei 40 Euro.
Ob der im Mai vollzogene Vorstandswechsel Änderung mit sich bringen wird, bleibt offen. Boris Ewenstein, der zuvor bei McKinsey und Zalando tätig war, soll nun das Handels- und Marktplatzgeschäft verantworten und wieder auf Wachstumskurs bringen. Dafür sei ein offener Streit mit den wichtigsten Handelspartnern allerdings keine gute Voraussetzung, so das Handelsblatt.