Frau Koschel, wie schätzen Sie generell die Entwicklung des Outdoor-Segments ein? Wächst es oder stagniert es?
Sonja Koschel: Von einer Stagnation sind wir aktuell weit entfernt. 69,5 % der Befragten unserer neuen Outdoor-Studie DACH mit SAZsport haben in den letzten zwölf Monaten Outdoor-Schuhe gekauft. Für die kommenden zwölf Monate planen weitere 62,2 % entsprechende Käufe. Das zeigt: Outdoor bleibt ein relevanter Konsummarkt. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass sich der Markt verändert.
Viele Menschen kaufen heute gezielter und bedarfsorientierter als noch vor einigen Jahren.
Ist erkennbar, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf von Outdoor-Produkten preissensibler verhalten?
Ja, durchaus. Preis-Leistung gehört heute zu den wichtigsten Kriterien bei Outdoor-Schuhen. Gleichzeitig beobachten wir, dass Robustheit, Langlebigkeit und Funktionalität für viele Käuferinnen und Käufer noch wichtiger sind. Die Menschen kaufen nicht unbedingt billiger, aber bewusster. Wer Geld ausgibt, erwartet einen erkennbaren Mehrwert.
Welche Schuhmarken haben im Outdoor-Bereich die Nase vorn?
Adidas Terrex verfügt aktuell über die höchste Bekanntheit und Nutzung im Markt. Dahinter folgt eine breite Gruppe etablierter Marken wie Salomon, Meindl oder Lowa. Der Outdoor-Schuhmarkt wird also deutlich weniger von starken Markenbindungen geprägt, als häufig angenommen wird.
Für Marken bedeutet das große Chancen, aber auch einen permanenten Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Relevanz.
Welches sind die beliebtesten Formate für den Kauf von Outdoor-Schuhen?
Der klassische Wanderschuh bleibt die mit Abstand wichtigste Kategorie. 45,1 % der Kaufinteressierten planen den Kauf von Wanderschuhen. Dahinter folgen Freizeitschuhe (37,3 %), Leichtwanderschuhe (29,2 %) und Trekkingschuhe (26,7 %). Die Grenzen zwischen Outdoor, Alltag und Freizeit werden dabei zunehmend fließender.
Was würden Sie nach den nun vorliegenden Ergebnissen Schuhhändlern und Outdoor-Schuhherstellern raten: Auf welche Zielgruppen sollten sie stärker achten und wie sollten sie diese ansprechen?
Viele Unternehmen denken noch zu stark in klassischen Outdoor-Zielgruppen. Unsere Ergebnisse zeigen dagegen, dass die größte Chance nicht unbedingt bei den besonders aktiven Outdoor-Sportlerinnen und -sportlern liegt. Die größte Gruppe in unserer Untersuchung sind Menschen, die sich grundsätzlich für Outdoor-Produkte interessieren, ohne regelmäßig Outdoor-Sport zu betreiben. Auffällig ist zudem, dass 75,9 % der Befragten keine eindeutige Lieblingsmarke nennen. Der Markt bietet damit weiterhin viel Potenzial für Marken, neue Käufergruppen zu erschließen. Mein Rat wäre deshalb, nicht nur die bestehende Outdoor-Community anzusprechen. Wer künftig wachsen will, sollte stärker die breite Mitte der Consumer in den Blick nehmen und zeigen, wie Outdoor-Schuhe im Alltag, auf Reisen oder bei gelegentlichen Outdoor-Aktivitäten einen konkreten Mehrwert bieten.