Die News sorgte vor einigen Tagen für erhebliches Aufsehen: Peter Kaiser, wahrhaft ein Traditionsunternehmen in unserer Branche, entlässt eine nicht unerhebliche Zahl an Mitarbeitern. 40 Beschäftigte müssen in den kommenden Wochen gehen. Für Geschäftsführer Stefan Frank ein schmerzlicher Schritt, wenngleich er unvermeidlich war.
Schuhe in Deutschland zu produzieren, das funktioniert. Aber es ist teuer. Nicht umsonst sind über die zurückliegenden Jahrzehnte hunderte von Schuhfabriken, vor allem in der Pfalz, von der Bildfläche verschwunden. Die Region hat sich bis heute nicht von diesem Niedergang erholt. Peter Kaiser, gegründet im Jahr 1838, ist als Schuhhersteller mit Produktion in Pirmasens einer der letzten seiner Art. Von den insgesamt 3.500 produzierten Paar Schuhen der Marke kommen bislang allein 1.400 aus den Fabrikationshallen an der Lemberger Straße – für den Geschäftsführer angesichts der hohen Kosten schlichtweg zu viel, um profitabel zu arbeiten. Alternativen zu den jetzt angekündigten Entlassungen habe es keine gegeben. Denn, so analysiert der Schuhexperte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Kosten haben sich in der Schuhproduktion im Laufe der Jahre stetig erhöht, die Durchschnittspreise unserer Produkte aber nicht.“ Und spricht damit aus, was viele Unternehmer unserer Branche umtreibt. Es ist über Jahrzehnte nicht gelungen, die Preise für Schuhe nennenswert zu erhöhen und damit einhergehend dem Verbraucher zu vermitteln, dass das Produkt, welches er im Schuhhaus XY kauft, sein Geld wert ist. Und wenn es moderate Preiserhöhungen gab, dann korrespondierten sie dennoch nicht mit den Erhöhungen auf der Kostenseite. Die unzähligen Rabattschlachten, mit denen sich die Akteure unseres Business leidenschaftlich gegenseitig unterbieten, haben ein übriges dazu beigetragen, dass spätestens bei 100 Euro für ein Paar Schuhe die Luft – sprich die Kauflust der Kunden – dünn wird. Wenn also die Frage gestellt wird, wer den angemessenen Preis für ein Paar Schuhe made in Germany zahlt, lautet die Antwort: (fast) niemand. Leider.
In Pirmasens wird nach dem Willen von Stefan Frank mit einer Kapazität von 700 Paar weiter produziert. Muster und Prototypen, aber auch individualisierte Schuhe, die der Hersteller über das noch junge Shoebar-Konzept anbietet, sollen am Standort von Peter Kaiser entstehen. Der Geschäftsführer sieht einen klaren Trend hin zu flexibler und schneller Fertigung, die in Deutschland profitabel möglich sei. Spezialitäten, Produkte mit hoher Markenkraft und besonderem Anspruch an Qualität, Nachhaltigkeit und/oder modischer Aussage – made in Germany. Darin liegt eine Chance. Nicht nur für Peter Kaiser.