Nach Berlin und Mainhausen: Auf der Fashion Week sowie den Lederwaren Ordertagen lag das Stimmungsbarometer der Einkäufer im Normalbereich, obwohl die Mode-, Schuh- und Lederwarenbranche auf eine wahrlich schwierige erste Jahreshälfte zurückblickt. Das ist grundsätzlich positiv. Doch um die anstehenden Herausforderungen zu meistern, reicht das nicht. Durch den stationären inhabergeführten Fachhandel muss ein Ruck gehen – Aufbruchstimmung statt „Business as usual“.
„Wir sind derzeit so stark gefordert wie nie zuvor“, sagte Steffen Jost, Präsident des Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels (BTE), zum Auftakt des „Fashion Emotion“-Kongresses in Köln. Mehr denn je müsse die Modebranche Innovationen und technische Weiterentwicklungen aufgreifen und gewinnbringend umsetzen. Beim Zukunftsthema RFID habe sie jedoch gepatzt. „Es ist das passiert, was nicht hätte geschehen dürfen. Die Vertikalen nutzen die Vorteile von RFID und bauen ihren Vorsprung weiter aus, während die Bedeutung der Technologie von Handel und Industrie noch nicht mal erkannt ist. Das ist erschreckend!“
Steffen Jost könnte seine Worte eins zu eins an die Lederwarenbranche richten. Er müsste nur das Kürzel RFID durch EDI oder NOS ersetzen. Das kann er sich aussuchen. Auf diesen Feldern hinkt der Großteil der Lederwarenhändler nicht nur den Vertikalen, sondern auch den Fachhandelskollegen in der Schuh- und Textilbranche meilenweit hinterher. Die konsequente Flächenbewirtschaftung während der Saison ist künftig daher ein Pflichtthema bei allen Gesprächen zwischen Handel und Lieferanten. Zur Erinnerung: „Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass 20 bis 30 Prozent mehr Umsatz im ersten Jahr möglich sind“, sagte Assima-Geschäftsführer Siegfried Despineux während einer Gesprächsrunde rund um diese Thematik im April dieses Jahres.
Das ist keine leere Versprechung, sondern wird tagtäglich unter Beweis gestellt. Auch in der Lederwarenbranche. Aber immer noch lassen Händler Saison für Saison Geld liegen, weil Sortimentslücken nicht regelmäßig geschlossen werden. Mangelnde Datenqualität, ein hoher Einstiegsaufwand, allgemeines Beharrungsdenken – die Gründe für diese Situation sind bekannt und nachvollziehbar. Aber sie dürfen angesichts der Herausforderungen immer weniger ins Gewicht fallen.