Trotz der schwierigen Saison im Handel ist die F/S 2014-Ausgabe der Berliner Modemesse Premium gut verlaufen. Zum Start am Dienstagmorgen herrschte wie gewohnt reger Andrang am Eingang – das sollte sich auch in den kommenden drei Tagen nicht ändern. Die Hallen waren durchgängig gut gefüllt, auch wenn viele Besucher angesichts des lang ersehnten Sommerwetters lieber das Freie für Fachgespräche aufsuchten.
In den Hallen zeigten auf 23.000 qm derweil rund 900 Unternehmen insgesamt 1.500 Kollektionen für den kommenden Sommer, darunter auch viele neue interessante Schuhaussteller wie Flogg, Nylo, Paul & Joe Sister oder Anthology Paris. Laut den Messeveranstaltern Norbert und Anita Tillmann war der Besuch internationaler als sonst – rund 70% kamen aus dem Ausland nach Berlin. „Es hat einfach alles gestimmt. Wir konnten die höchsten Besucherzahlen seit jeher verzeichnen. Besonders positiv ist das Feedback der Schuhaussteller über die überdurchschnittlich hohe Zahl an Schuheinkäufern“, so Anita Tillmann. Das Interesse an den neuen Modethemen war auf der Messe zwar vorhanden, aber noch sehr verhalten, äußerten viele Aussteller gegenüber step. „Aufgrund der schwierigen Saisons sind die Kunden aktuell sehr vorsichtig – sie beobachten lieber aus der Ferne“, stellte Rense Hekstra von Atelier do Sapato fest.
Für Marc Zimmermann von Made by Heart war die Atmosphäre zum Messeauftakt besser als gedacht: „Selbstverständlich sucht hier kaum einer nach Sandalen für den Sommer, aber mit gesunden Erwartungen gemessen, ist die Stimmung grundsätzlich nicht so schlecht.“ Alexander Pospisil, der sein Fabrikat Homers auf der Premium präsentierte, ging noch einen Schritt weiter: „Ich habe an den letzten beiden Tagen mehr Schuhhändler auf der Premium gesehen als in den vergangenen zwei Jahren. Das miese Frühjahr ist abgehakt, die Zahlen sind zu Hause geblieben. Die Kunden kommen nach Berlin, um vorbereitet und informiert zu sein – sie sind offen für neue Trends. Das Produkt steht endlich wieder im Vordergrund.“
Bewegung in der Mode
Inspiration wurde in Berlin dringend gesucht – und auch geboten. Im Vordergrund der neuen F/S 2014 standen die neuen Farben der Saison. Entgegen den Prognosen zu einer deutlichen Farbreduzierung gab es auf der Premium neben vielen ruhigen Grau-, Beige- und Nudetönen durchaus auch kräftige Farbakzente zu sehen. „Wir glauben weiter an Farbe“, betonte Lisa Shekel von dem israelischen Damenschuhlabel Shanibar und zeigte kräftige Erdtöne, aber auch satte Grün- und Gelbnuancen. Neben Schwarz-Weiß-Kontrasten und deutlich abgesofteten Pastellen durften Metallics in keiner Kollektion fehlen – ob als Dekoration, Finish oder Farbtupfer. „Ohne Metallics wird man kommenden Sommer wohl nicht auskommen“, fasste Christoph Siegel von Candice Cooper seine persönliche Trendprognose zusammen.
Viel Innovation ist auch bei Materialien, Oberflächen und Farben zu beobachten. Animal Prints, lebendige Materialkombinationen, Flechtungen, Cut-Outs und Lasercuts verleihen den Modellen interessante neue Optiken. Auffällig viele Allover-Prints von Camouflage über Blüten bis hin zu exotischen Fantasie-Drucken zieren Sneaker, Pumps und sogar Booties. In der Modellerie gab es eher dezente Weiterentwicklungen als ganz große Sprünge. Interessant war aber die Tendenz zu neuen, schmalen und vor allem spitzen Leisten, die bei Pumps und flachen Ballerinas oder Booties gezeigt wurden. Weniger Keile und Plattformen und mehr feine Schnitte bestimmen die Silhouetten. Neben Sneakern in vielen verschiedenen Ausführungen sah man lässige Loafer, sommerliche Espadrille-Variationen und Summerboots – allesamt sportive Casual-Themen.