Bei Angelo’s steht nicht das große Logo im Mittelpunkt, sondern das Produkt. „Labels, die es nicht an jeder Ecke gibt“ – das ist der Anspruch. „Das Branding ist zweitrangig“, sagen Berit und Jan Petersdorf. Entscheidend sei vielmehr, wie ein Kleidungsstück oder ein Schuh verstanden werde – und ob es zur Haltung des Stores passe. Insgesamt umfasst das Sortiment rund 60 verschiedene Firmen für Damen und Herren. Das Konzept ist auf zwei Geschäfte verteilt: einen Damen- und einen Herrenladen, die miteinander verbunden sind. Zum Sortiment gehören Bekleidung, Schuhe und Accessoires bekannter und weniger bekannter nationaler und internationaler Marken.
Auch eine klar eingegrenzte Zielgruppe definieren die beiden nicht. Angesprochen fühlen solle sich grundsätzlich jeder, der einen Zugang zu den Produkten findet. Das Alter sei dabei weniger entscheidend als Neugier und Produktaffinität. „Manchmal sind ältere Generationen sogar mutiger als jüngere“, beobachten sie.
Mit der aktuellen Geschäftsentwicklung zeigen sich die Petersdorfs zufrieden. „Sehr gut“, sagen sie auf die Frage, wie das Geschäft laufe. Hamburg sei zwar eine tendenziell wohlhabende Stadt, jedoch profitiere Angelo’s auch davon, dass ein Angebot für sowohl Damen als auch Herren seltener geworden sei.
Was Kundinnen und Kunden suchten, sei vor allem Authentizität. Dazu gehöre auch, sich von der Masse abzuheben und „vielleicht auch mal zwei, drei Saisons aushalten, dass es nicht super erfolgreich ist“, sagen Berit und Jan Petersdorf. „Irgendwann hat man dann die Kundschaft, die sich dafür begeistert.“ Der Weg dorthin sei jedoch nicht selbstverständlich gewesen. „Wir haben um die Anerkennung gekämpft“, sagen die beiden.
Eine zentrale Rolle spielt inzwischen Social Media, konkret Instagram, worauf sich Berit und Jan Petersdorf fokussieren. Die Plattform fungiere in erster Linie als Verstärker. „Die Schwierigkeit besteht heute darin, Bekanntheit zu erlangen“, sagen sie. Seit etwa einem Jahr arbeitet Angelo’s mit einer professionellen Social-Media-Managerin zusammen. Offenbar wirksam: Der Store wird häufig über Instagram entdeckt. Viele kämen gezielt deshalb vorbei – „mittlerweile fast täglich.“ Inhalte sollen nicht nur verkaufen, sondern inspirieren, informieren und einen Zugang zur Welt von Angelo’s schaffen. „Wir machen das mit viel Leidenschaft“, betonen die Inhaber. Besonders gut funktionieren darum Inhalte, die über reine Produktpräsentationen hinausgehen. So habe ein Reel zur Pflege von Kaschmir neulich beispielsweise rund 500.000 Aufrufe erreicht. Auch für Kombinationsmöglichkeiten und Stylingansätze wird Instagram genutzt. Kundinnen und Kunden kaufen häufig nicht nur einzelne Artikel, sondern komplette Outfits.
„Wir lieben Beratung“ – dieser Claim steht prominent auf der Website. Was bedeutet gute Beratung für Berit und Jan Petersdorf? Vor allem Ehrlichkeit. „Im Zweifelsfall ist gute Beratung manchmal auch die, die nicht verkauft.“ Es gehe vor allem darum, Kundinnen und Kunden aufmerksam zu begleiten und ihnen zugleich neue Impulse zu geben: „Wir geben auch mal en passant ein weiteres Teil mit in die Kabine. Nicht, um Druck zu machen, sondern als Anregung. Manchmal probieren Kundinnen und Kunden dadurch etwas aus, das sie selbst vielleicht gar nicht ausgewählt hätten. Genau das wird oft sehr wertgeschätzt.“