„Obwohl sich die Verdachtsmomente hinsichtlich des Ursprungs dieser Zettel bzw. Etiketten und der Tatsache, dass der Verkaufszeitpunkt dieser Kleidungsstücke schon relativ lange zurückliegt, häufen, ist sich Primark seiner Verantwortung gegenüber seinen Lieferkettenarbeitern bewusst und hat bereits eine gründliche Untersuchung in Gang gesetzt“, so ein Sprecher von Primark. Primark prüfe zur Sicherstellung des Wohlergehens seiner Lieferkettenarbeiter alle Behauptungen über Verstöße gegen seinen Verhaltenskodex. Primark habe seit 2009 ungefähr
10.000 Audits in den Fabriken seiner Lieferanten durchgeführt.
Unter anderem hatten Kundinnen im englischen Swansea auf eingenähten Etiketten die Botschaften „Forced to work exhausting hours“ ("Zum Arbeiten bis zur Erschöpfung gezwungen") und „Degrading sweatshop conditions“ ("erniedrigende Sweatshop-Arbeitsbedingungen") gefunden. In einem weiteren Fall hatte eine Kundin in Nordirland in einer Hose einen eingenähten Gefangenenhinweis zusammen mit einer Notiz gefunden, auf der dreimal das Wort SOS steht. Der Hilferuf beginnt mit den Worten: „Wir sind Gefangene im Xiangnan-Gefängnis in Hubei, China." Der Schreiber fährt fort, sie stellten Kleidung für den Export her und müssten 15 Stunden am Tag arbeiten.
Primark habe veranlasst, dass die Artikel von den Kunden abgeholt werden, teilte das Unternehmen mit. Danach könne genau untersucht werden, unter welchen Umständen der zusätzliche Zettel bzw. die zusätzlichen Informationen angebracht wurden. Es würden sich jedoch im Falle der Swansea-Vorfälle Verdachtsmomente ergeben, die auf eine Aktion von Aktivisten hindeuten: So seien die Zettel bzw. Etiketten auf sehr ähnliche Art und auf die gleiche Weise an den Kleidungsstücken angebracht. Die beiden Kleidungsstücke waren etwa zur selben Zeit im Jahre 2013 im Angebot und sie waren in zwei verschiedenen, Tausende von Kilometern voneinander entfernt liegenden Ländern hergestellt worden. Darüber hinaus sei der Zulieferer, der die Hose herstellte, seit 2009 neun Mal durch das Ethik-Team von Primark inspiziert worden. Bei keiner dieser Inspektionen habe sich herausgestellt, dass Häftlings- oder andere Zwangsarbeit zum Einsatz kam.