Viele Details sind noch nicht bekannt. Trotzdem ist die Diskussion in der Branche bereits in vollem Gange. Nachdem die Kooperation von schuhe.de mit Zalando bekannt wurde, reicht das Spektrum der Meinungen von ’gute Idee‘ über ’erst mal abwarten‘ bis hin zu ’Todesstoß für den stationären Handel‘.
Laut dem ANWR Vorstandsvorsitzenden Günter Althaus geht es bei der Zusammenarbeit zwischen der ANWR Media GmbH als Betreiberin von schuhe.de und dem Online Pure Player aus Berlin vor allem darum, den Händlern der Gruppe einen neuen Absatzkanal zu eröffnen. Dieses Ansinnen ist gut nachvollziehbar, denn das Portal schuhe.de bleibt bislang – trotz aller Bemühungen und technischen Weiterentwicklungen – weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar hat die ANWR bislang keine offiziellen Zahlen zu Umsätzen, Verkäufen und Klickzahlen des Portals veröffentlicht. Es klingt aber allerorten durch, dass die über schuhe.de verkauften Paarzahlen eher homöopathische Dimensionen erreichen. Und die Umsätze dementsprechend gering sind – die Rede ist von niedrigen einstelligen Millionenbeträgen. Im Internet findet sich schuhe.de unter ’ferner liefen‘. Bei der Google-Suche rankt die Website bestenfalls ganz unten auf Seite 1. Das heißt: Die Idee ist gut. Aber es braucht mehr als die bisherigen Anstrengungen, um mit schuhe.de ordentlich PS auf die Straße zu bringen.
Zum Beispiel einen starken Partner. Es hat sich schon seit längerem angedeutet, dass in Mainhausen konkrete Gedankenspiele in diese Richtung stattfinden. Nicht zuletzt beim Zukunftsforum Ende 2016 äußerte sich Günter Althaus im Gespräch mit schuhkurier zum sich verändernden Kundenverhalten. Das könne und dürfe man nicht ignorieren. Und man müsse letztlich da sein, wo der Kunde ist. Wenn dieser nun lieber bei Zalando online kauft als auf schuhe.de, dann ist es aus Sicht der ANWR logisch, eine Zusammenarbeit mit dem Online Riesen anzustreben. Um jeden Preis am eigenen Weg festzuhalten führt in Zeiten der digitalen Disruption bestenfalls in eine Sackgasse – oder gleich vor die Wand. Es ist also sinnvoll, zunächst abzuwarten, wie die Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnern genau ausgestaltet ist. Falsch wäre es, die möglichen Vorteile nur bei den Berlinern zu sehen. Selbstverständlich profitiert Zalando davon, wenn auf seinen Seiten auch die Sortimente der auf schuhe.de angebundenen Händler sichtbar werden. Das erhöht das Angebot deutlich und beinhaltet mehr Vielfalt. Das heißt aber nicht, dass nicht auch die Händler der Verbundgruppe Nutzen aus der Kooperation ziehen können. Das Schuhhaus als Zalando-Packstation – dieses Horrorszenario zum jetzigen Zeitpunkt zu bemühen, wäre zu kurz gesprungen. Und auch zu früh.
Auf der Generalversammlung in München soll es Antworten geben. Bis dahin gilt: Geduld.