Onlinehändler haben nur noch bis zum 14. September 2019 Zeit, ihren Onlineshop an die neuen Regelungen der Payment-Services-Directive 2 (PSD2) anzupassen. Danach ist für Kreditkartenzahlungen und Zahlungen per Paypal eine starke Kundenauthentifizierung (SCA) nötig. Doch längst nicht alle befragten E-Commerce-Händler haben die SCA in Form einer Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) implementiert.
Zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit
„Der Informationsstand vieler Händler ist zum Teil noch unzureichend. Außerdem scheinen viele Händler vor der Implementierung zurückzuschrecken, da sie Einbußen hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit beim Bezahlen in ihrem Shop befürchten“, erklärt EHI-Geschäftsführer Michael Gerling. Das zeigt die EHI-Studie „Online-Payment 2019“.
Nach Meinung von 61% der befragten Händler wird sich die Komplexität des Online-Payments mit der Implementierung der 2FA erhöhen. „Die starke Kundenauthentifizierung dient zwar der Sicherheit, geht aber zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit“, erläutert Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH). „Wir hoffen aber, dass die Kunden das Mehr an Sicherheit honorieren und das Vertrauen in die Händler wächst.“
Erwartungen und Erfahrungen
Viele Händler befürchten dennoch negative Auswirkungen. Mehr Kaufabbrüche infolge der erhöhten Komplexität für den Kunden erwarten 82% der Befragten. Durch den veränderten Bezahlprozess werden mehr Rückfragen seitens des Kunden erwartet. Ein erhöhtes Serviceaufkommen wird dementsprechend von 68% befürchtet. Darüber hinaus erwarten 39% der befragten Händler hohe Kosten bei der Umstellung des Bezahlprozesses.
Die Erfahrungen der Händler, die das 3D-Secure-Verfahren für Kreditkartenzahlungen bereits anbieten, bestätigen diese Befürchtungen, denn 40% davon haben seit der Implementierung in ihrem Shop bereits einen Anstieg der Kaufabbrüche nach Auswahl der Zahlungsart Kreditkarte festgestellt.
Konsequenzen umgehen
Aufgrund der zu erwartenden negativen Konsequenzen durch die SCA hat sich fast die Hälfte der befragten E-Commerce-Händler dafür entschieden von den Ausnahmen zur 2FA Gebrauch zu machen. Demgegenüber hat sich gut ein Drittel klar für die Anpassung ihres Onlineshops an die neuen Regelungen entschieden. Die übrigen Händler (16%) haben sich zu dem Thema noch keine Gedanken gemacht.