Die nachfolgende Generation ’Next Gen‘ versteht sich nicht nur als bloße Verwalter des Familienunternehmens, sondern als deren Gestalter. Wie die Studie ’Great expectations: The next generation of family business leaders‘ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt, sehen 91% der Befragten dem kommenden Generationswechsel im Unternehmen optimistisch entgegen, sie fühlen sich gut vorbereitet und bringen laut Umfrage auch den nötigen Ehrgeiz mit.
Konfliktthemen Übergabe und Industrie 4.0
Doch kein Generationenwechsel verläuft ganz ohne Generationenkonflikte, insbesondere die Unternehmensübergabe kann zu einer schwierigen Aufgabe werden – für beide Seiten. Entsprechend sind 52% der ’Next Gen‘ besorgt, dass sie zu viel Zeit aufbringen müssen, um familieninterne Probleme zu bewältigen. 61% glauben, dass es für die ältere Generation schwierig ist, loszulassen und sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen.
Einen weiteren Konfliktpunkt zwischen den Generationen bildet laut PwC-Studie momentan die digitale Transformation. Nur 41% der ’Next Gen‘ sind davon überzeugt, dass ihre Digitalstrategie das Geschäftsmodell optimal unterstützt. 29% bestätigen, dass Familienunternehmen die technologischen Möglichkeiten zögerlicher nutzen als andere Konzerne. Entsprechend fühlen sich 40% manchmal frustriert, wenn es darum geht, die Elterngeneration von neuen Ideen zu überzeugen. „In puncto Digitalisierung sollte sich die ältere Unternehmergeneration von der jüngeren überzeugen lassen“, so Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand. „Die technologische Entwicklung wird die Geschäftswelt in den kommenden fünf Jahren von Grund auf verändern. Davon gehen auch 83% der kommenden Familienunternehmer aus, wie unsere Studie zeigt.“
Start der Karriere in einem fremden Unternehmen
Eine gute Ausbildung und der Blick über den Tellerrand seien der nachfolgenden Unternehmergeneration wichtig. Entsprechend arbeiten 70% erst in einem fremden Unternehmen, bevor sie eine Funktion im Familienunternehmen übernehmen. „Die Next Gen wollen durch diese Außenperspektive einen objektiveren Blick auf das eigene Familienunternehmen gewinnen, in dem sie oft groß geworden sind“, sagt Peter Bartels. „Auch wenn dies zunächst die ‚Ressource Nachwuchs‘ beschränkt, unterstützt die Elterngeneration diesen Plan häufig.“
Führungskräfte von außen werden immer wichtiger
Doch der nächsten Generation geht es dabei nicht allein um die eigene Kompetenz. Für sie ist eine insgesamt gut ausgebildete Belegschaft von Bedeutung. 74% der Befragten geben diesen Faktor als Top-Priorität an. Dazu gehöre zum Beispiel die stärkere Förderung von Frauen. Eine Auskopplung des Surveys mit den Umfrageergebnissen der 73 befragten Nachfolgerinnen hat gezeigt, dass nur 30% von ihnen Mitglied der Geschäftsführung ihres Familienunternehmens – gegenüber 55% bei den männlichen Nachfolgern. Außerdem setzt die ’Next Gen‘ auf Kompetenz von außen: 69% möchten externe Manager einstellen. Drei Viertel der Familienunternehmen wollen so die fachliche Expertise ausbauen, etwa jeweils die Hälfte möchte auf diese Weise das Unternehmen professionalisieren und Wachstum vorantreiben. Mit der Zusammenarbeit sind 90% der befragten Familienunternehmen zufrieden.