Mit dem Signing endet der Verkaufsprozess eines der größten deutschen Schuhhandelsunternehmen, von dem man annehmen darf, dass er nicht ohne Hürden und Anstrengungen verlief.
05.04.2016
Petra Salewski
2 Minuten
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Vorerst keine Fragen. Mit der Verkündung des Signing, der Unterzeichnung der Kaufverträge, mit denen die HR Group den Besitzer wechselt, wurde am 31. März zugleich klargestellt, dass neben der Information als solcher sowie einiger weniger Details zu den beteiligten Unternehmen zunächst nichts zu erfahren ist. Erst mit dem Closing, dem Zeitpunkt also, wenn die Kaufverträge nach Zustimmung der Kartellbehörden wirksam sind – in vier bis sechs Wochen etwa – soll es möglich sein, mehr zu hören über die Hintergründe und vor allem die Ziele der Protagonisten. Immerhin: Die Unterschriften sind geleistet. Die HR Group gehört jetzt der Private Equity Gesellschaft Capiton sowie dem türkischen Schuheinzelhändler Ziylan, dem Management-Team und dem Senior-Manager Peter M. Wolf.
Damit endet der Verkaufsprozess eines der größten deutschen Schuhhandelsunternehmen, der am 9. September letzten Jahres eingeläutet worden war und von dem man annehmen darf, dass er nicht ohne Hürden und Anstrengungen verlief. Dem Geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Matthias Händle jedenfalls waren die Spuren langer und wohl auch zäher Verhandlungen mit den Eigentümer-Familien und möglichen Investoren zwischenzeitlich anzusehen.
Mit der Ankündigung, das Bankhaus Rothschild mit dem Verkauf der gesamten Unternehmensgruppe zu beauftragen, stellte Händle im Spätsommer letzten Jahren vor allem auch klar, dass hier keineswegs aus der Not heraus gehandelt werde, die HR-Group also kein Sanierungsfall sei. Im Gegenteil. Man wolle weiter wachsen. Sein Interesse an Zusammenschlüssen im Schuhhandel hatte Händle in den zurückliegenden Jahren mehrfach betont. Allerdings scheiterte er 2010 mit entsprechenden Vorhaben beim in Schieflage geratenen Schuhfilialisten Leiser, der dann von der Hauensteiner Seibel-Gruppe übernommen wurde. Und auch Bemühungen Händles um einen Einstieg beim Hamburger Schuhhändler Görtz im Jahr 2014 fruchteten nicht – der Finanzinvestor Afinum kaufte sich stattdessen ins Unternehmen ein. Unterdessen spürte auch die HR Group – und insbesondere deren Einzelhandelssparte Reno – den Druck, den u.a. Amazon und Zalando aufbauen. Eine nicht immer klare Positionierung, ein nicht zwingend relevantes Markenportfolio, eine nicht durchgängig konsequente Onlinestrategie und teils ungünstige Standorte mit hoher Mietbelastung machten dem Unternehmen einhergehend mit rückläufigen Frequenzen zu schaffen.
Mit dem nun vollzogenen Kauf bleibt Dr. Matthias Händle als Sprecher des Managements und Gesellschafter des Unternehmens an Bord. Gemeinsam mit den neuen Investoren sollen nun die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Dabei dürfte das Thema Wachstum sicher wieder auf der Agenda stehen. Ob die neuen Mit-Eigentümer die richtigen Partner bei der Reno-vierung sind, das ist eine der Fragen, auf die wohl erst später Antworten gefunden werden.