Karl-Heinz Müller blickte zufrieden auf die Modemesse zurück: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis unserer Veranstaltung. Die Hallen waren gut besucht und die Verweildauer der Besucher konnte deutlich gesteigert werden, wie unser Active Guest Management nach der Auswertung der Scanner Daten an den Ein- und Ausgängen feststellen konnte. Dadurch war eine insgesamt höhere Frequenz offensichtlich spürbar. Die meisten Fachbesucher kamen aus dem deutschsprachigen Raum und dem europäischen Ausland. Besonders gefreut hat mich der wieder gestiegene Besucheranteil unserer südeuropäischen Freunde. Viele Einkäufer kamen aus den USA, Kanada, Japan und Süd-Korea. Die großen internationalen Modehäuser und Department Stores waren nahezu vollständig vertreten. Das Feedback aller Beteiligten war durchweg ausgesprochen positiv; unsere Aussteller waren äußerst zufrieden mit dem hochwertigen Fachpublikum sowie der Internationalität der Besucher. Es wurde gutes Business gemacht!"
Die Ankündigung, die Modemesse im Juli auf fünf Tage auszuweiten und auch für Endverbraucher zu öffnen, sorgte allerdings für viel Gesprächsstoff und ließ die aktuelle Marktsituation fast vergessen. Diskutiert wurde das neue Messekonzept, das von Karl-Heinz Müller bereits im vergangenen Dezember angekündigt wurde, durchaus kontrovers. Bei vielen von schuhkurier befragten Ausstellern schien die Neuausrichtung der Bread & Butter vor allem viele Fragen aufzuwerfen – nicht zuletzt auch die Frage nach der eigenen Teilnahme. „Ich kann mir das überhaupt noch nicht vorstellen. Ich will erst ein ausgefeiltes Konzept sehen“, brachte Torsten Lasar von Ca’Shott die Meinung vieler auf den Punkt.
„Veränderung muss her und ich bewundere den Mut von Karl-Heinz Müller. Kritisch zu sehen ist der Kraftakt für kleine Marken, fünf Tage auf der Messe zu sein“, sagt Anne-Katrin Hummel von Flip Flop. Auch die Frage, welche Kollektion den Konsumenten wie präsentiert werden soll, sorgt für Kopfzerbrechen. „Das Ganze macht nur Sinn, wenn die Verbraucher auch die neueste Kollektion sehen und den Marken noch vor der Produktion ein Feedback geben“, sagt Daniel Graf von der Schweizer Vertriebsagentur D’n’G Brands. Sascha Patschull vom schwedischen Label Ten Points hat eine andere Meinung: „Endverbraucher sehen Produkte, die sie nicht kaufen können, das sorgt für eine negative Wahrnehmung.“ Der Verbraucher sei mit dem Messeangebot überfordert und fünf Tage seien für die Aussteller viel zu lang. „Es scheint überall auf der Messe ruhiger zu sein, Veränderung muss her“, erklärt hingegen António Alves, Marketingmanager des portugiesischen Schuhlabels Fly London. „Wir werden künftig hier mit zwei völlig unterschiedlichen Kommunikationswegen zu tun haben. Wir müssen erst eine Strategie finden, um den Endverbraucher nicht letztlich zu enttäuschen.“
Erwartungen erfüllt
Enttäuscht zeigten sich die Aussteller von der Januarausgabe der Bread & Butter nicht – trotz der gefühlt niedrigeren Frequenz in den Hallen. Die Erwartungshaltung war nach einer schwierigen Wintersaison bei den meisten auch nicht hoch. Und schließlich ließen sich auch die wichtigen Kunden blicken – auch wenn die geringe Anzahl von Schuhhändlern im Vergleich zu früheren Ausgaben bemängelt wurde. Zudem hat die Internationalität der Besucher deutlich abgenommen.
Die Bread & Butter zeigte sich kompakter: Viele Neuausteller, zwei nicht belegte Hallen, breitere Wege und eine Neupositionierung der Marken lenkten von dem Fehlen großer Brands wie etwa G-Star, Wrangler, Pepe Jeans oder Björn Borg ab. Die vieldiskutierte Messepräsenz der Bestseller Group im vergangenen Sommer blieb eine einmalige Sache; dafür waren einst ausgeladene Aussteller wie Tom Tailor wieder mit von der Partie. Der Accessoire-Bereich Treasury wurde deutlich dezimiert und musste den alten Standort an eine Foodhall abgeben. Man merkte der Messe die von Kritikern bemängelte fehlende Stringenz an.
Ableger in Seoul geplant
Neben der Öffnung für Endverbraucher sorgte eine weitere Neuigkeiten in Berlin für Diskussionen. Neben seinem wiederholten Bekenntnis zum Standort Berlin plant Karl-Heinz Müller dem Vernehmen nach einen Ableger der Modemesse in Seoul. Wann genau die neue Messe an den Start geht, darüber hält sich Müller bedeckt und will sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern.Die Weichen für einen Wandel sind auf jeden Fall gelegt – wie auch immer dieser aussehen mag.