„Es wäre falsch, alleine das ausbleibende Winterwetter zur Verantwortung zu ziehen", erklärte der Vorsitzende des HDS/L mit Blick auf die schlechte Umsatzentwicklung ab September. „Noch bevor ein Hauch von Winter durch das Land weht, kippen die Preise, beginnt auf breiter Front ein Hauen und ein Stechen um den Rausverkauf. Der Handel verschenkt teures Geld, weil die Rhythmen nicht mehr stimmen und somit auch die Preise nicht mehr stimmen", so Rieker weiter. Es hapere vielerorts an überzeugenden Argumenten für die Vermittlung neuer, attraktiver Themen, die es nach wie vor in großer Zahl gebe. „Auch die schwache Frequenz, resultierend aus dem ausbleibenden Winterwetter, ist für mich kein Argument. Diesen Horror hat der Markt mit seinen Mechanismen eigens vorbereitet. Wenn die Leute sich verweigern, dann weil die Sonne sie ins Freie lockt und schlimmer, weil sie sehr gut wissen, dass sie bald für kleines Geld aus dem Vollen schöpfen können. Wir müssen Werte schaffen und erhalten." Preisvertrauen sei der Wert, der über allem stehe.
„Solange wir mit der Ware so weit weg von den tatsächlichen Jahresrhythmen entfernt bleiben, wird jeder warme Herbst und jeder kalte Frühling die Abverkaufszahlen nach unten drücken. Ist es richtig, dass in 8 von 12 Verkaufsmonaten nur noch reduziert verkauft wird?", sagte der Geschäftsführende Gesellschafter von Ricosta. Ausdrücklich nahm Rieker die Hersteller nicht von seiner Kritik aus: „Es wäre völlig falsch, an dieser Stelle den Finger auf den Handel zu zeigen. Auch wir, die Industrie, haben zu diesem Verrutschen der Termine beigetragen. Einige Firmen gehen immer früher und noch früher raus. Sie locken die Einkaufenden mit Vororderrabatten und mit der sanften Drohung, wenn jetzt nicht bestellt wird, dann können sie die Liefertermine nicht garantieren." Dieser Ansatz sei weder nachhaltig noch zukunftsweisend.
Wenn die Branche die Taktung ändern wolle, dann müsste auf der herstellenden Seite der Vorordereinkaufsdruck zu immer früheren Zeiten stark reduziert werden. Es gelte mehr denn je, Partnerschaften zwischen Hersteller und Fachhandel zu leben und in diesem Schritt die Taktung des Wareneinganges und somit die Vermarktung der Modethemen/Saisonthemen am Point of Sale zu zu verbessern. „Wir müssen uns dringend – Industrie wie Handel – von der Taktik der Vergangenheit, die da heißt Rabatt statt Verführung, Verführung durch Rabatt lösen", sagte Ralph Rieker.