Das hat gut getan. Eine Messe ganz ohne Verwerfungen und Weltuntergangsstimmung. Wer auf der Suche nach Pleiten, Pech und Pannen an den Gardasee gekommen war, wurde enttäuscht.
Die 88. Ausgabe der Expo Riva Schuh verlief in ruhigen Bahnen. Es herrschte normaler Messebetrieb. Im Vordergrund stand die Konzentration auf das Wesentliche: der Überblick über die neuen Kollektionen und der Austausch zwischen Handel und Industrie. Gut so. Den ein oder anderen mag die unaufgeregte Stimmung überrascht haben. Schließlich sah es noch vor wenigen Monaten ganz anders aus. Im Januar litt die Branche unter einer Depression – besonders ungewöhnlich für Riva. Südlich der Alpen wird die Marktlage schließlich meist weniger kritisch bewertet als am heimischen Arbeitsplatz. Damals lautete die am häufigsten gestellte Frage noch: Was tun? Antworten hatten nur die wenigsten parat. Von dieser kollektiven Orientierungslosigkeit hat sich die Branche in den vergangenen Wochen offenbar ein Stück weit befreien können.
Viele Gespräche wurden auf der Expo Riva Schuh konstruktiv und mit einem klaren Blick in Richtung Zukunft geführt. Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Oder besser: Befindet sich die Branche aktuell im Auge des Orkans, der über sie hinwegfegt? Natürlich gab es am Gardasee auch kritische Stimmen. Und die Mahner lagen durchaus richtig. Ja, die Herausforderungen sind nicht über Nacht verschwunden, nur weil in den vergangenen Wochen die Sonne schien und endlich die Umsätze mit Frühjahr/Sommer-Ware anzogen. Und nein, natürlich ist ein Pari nach fünf Monaten auf Basis einer niedrigen Vorgabe kein Grund zur Euphorie. Von Entwarnung mal ganz zu schweigen. Und trotzdem macht der Verlauf der Riva- Messe Mut für die kommenden Monate. Denn auch wenn die Aufgaben für jedes einzelne Unternehmen enorm sind – Hektik und Aktionismus führen ebenso wenig weiter wie Realitätsverweigerung oder Fatalismus. Ruhe und Besonnenheit sind angesichts der vielfältigen Herausforderungen keine Bremsklötze, sondern unabdingbar. Nur Schritt für Schritt kann es voran gehen. Große, langfristig angelegte Strategien sind aktuell wenig hilfreich und können eher in die Irre als zum Ziel führen. Wer kann heute schon sagen, wie die Welt in fünf Jahren aussieht? Noch vor gut einem Jahr wären Entwicklungen wie der Brexit oder die Wahl eines Immobilientycoons und TV-Stars zum 45. Präsidenten der USA undenkbar gewesen. Gleiches kann auch für den Handel gelten. Die alten Gewissheiten haben ihre Gültigkeit verloren, Sicherheit gibt es nicht mehr. Wer gestern oben war, kann morgen unten stehen. Und andersrum. Die Zukunft ist offen – Zeit zum Anpacken.