Man habe im Hinblick auf die Umsatzentwicklung viel erwartet, insbesondere von der zweiten Jahreshälfte, und die Monate September und Oktober bescherten den Unternehmen auch durchaus gute Ergebnisse. Jedoch reichte das nicht, um den Verlust der ersten Monate wieder auszugleichen. „Gerechnet hatten Händler mit +10%, per Ende Oktober lagen wir jedoch aufgelaufen bei -1,5%“, so Krug.
Es folgte der November mit drei Wochen extremer Wärme, der sich wiederum nachteilig auf die Kauflust im Schuhhandel auswirkte.
Das Weihnachtsgeschäft verlief laut Krug bislang „soweit zufriedenstellend“ – leider eben nicht gut oder sehr gut. Viele Kunden scheinen mit Anschaffungen die bevorstehende Reduzierungsphase abzuwarten. Für Ende 2015 rechnet die Sabu-Geschäftsführung mit einem aufgelaufenen Minus von 1,2%.
Besonders große Sorgen macht man sich dabei um die Warengruppen 17 und 27 – warmgefütterte Ware für Damen und Herren. Als Konsequenz aus den teils enttäuschenden Umsätzen empfiehlt Krug dem Handel, sich künftig eher am Kaufverhalten zu orientieren als am Kalender. Und er mahnte, nicht vorschnell Winterware zu reduzieren: „Wenn jetzt noch ein richtiger Winter kommt, kann man noch ordentliche Umsätze generieren.“ Zugleich empfahl Krug mit Blick auf den Einkauf, sich nicht zu allzu frühen Orders verleiten zu lassen. Man solle die Messen nutzen und Kaufentscheidungen nicht zu früh und möglichst nah am Kundenbedarf treffen. Ziel müsse es sein, ein im Saisonverlauf wechselndes Warenbild im Geschäft zu erzeugen. „Wir sprechen nicht von einem Schuhmuseum, sondern von einem Schuhladen“, so Krug.
Ware: differenzierte Programme, mehr Mode
Im Bereich Ware sieht Stephan Krug den Sabu gut aufgestellt. Allerdings wolle man das Angebot ab der Saison F/S 2016 noch individueller gestalten. Dazu sei es wichtig, die genaue Struktur der Händler zu kennen. Aktuell würden nach verschiedenen Kriterien Cluster gebildet, um die Struktur der Händler genauestens zu ermitteln. Parallel hat die Verbundgruppe auch die Leistungsfähigkeit der Lieferanten im Hinblick auf zehn verschiedene Kriterien analysiert. Die Ergebnisse der Lieferantenauswertung seien inzwischen in Strategiegesprächen mit verschiedenen Herstellern analysiert und diskutiert worden, so Krug. Auf Basis der in den Händler- und Herstellerauswertungen ermittelten Daten will die Verbundgruppe künftig ihr Warenangebot individueller zuschneiden und neue Leistungen anbieten. Einmal im Jahr will Sabu in Zukunft eine Lieferantenbewertung durchführen.
Die Eigenmarke Andiamo sieht Krug im hochwertigen Segment gut als Differenzierungsmittel positioniert.Ausbauen und feiner abstimmen will man in Heilbronn die modische Information der Händler. So sollen künftig drei Mal pro Saison, jeweils nach den Berliner Messen, nach der GDS und zur Hausmesse, konkrete Trend- und Modeinformationen kommuniziert werden.
Vertrieb: neue Konzepte
Das Laufgut-Konzept entwickelt sich nach Aussage des Sabu-Geschäftsführers erfolgreich. Aktuell gibt es 42 Shops; sechs weitere seien in Planung. Ziel sei es, 200 Läden zu realisieren und das Konzept weiter klar definiert und konsequent zu entwickeln. Für Händler, die mit Laufgut als Shop-in-Shop-Lösung arbeiten wollen, soll ’Lust auf Komfort‘ neu lanciert werden – hier können Händler auf kleinerer Fläche Elemente von Laufgut übernehmen und ihre traditionelle Komfortabteilung somit moderner aufstellen.
Das Fachmarkt-Konzept Schuhprofi ist derzeit mit 23 Standorten am Netz; ein weiterer Markt ist in Planung. Rund 300 Mal wurde das Werbekonzept ’Lust auf schöne Schuhe‘ inzwischen umgesetzt. Es fungiert als Dachmarke und kann von den Händlern modular und individuell genutzt werden. Hier habe man einige neue Ideen entwickelt, um insbesondere mehr Frequenz in die Geschäfte zu bringen. So soll ein dreistufiges Aktivitätenkonzept angeboten werden, das schnell realisierbare Maßnahmen (z.B. ein gemieteter Eiswagen im Geschäft) umfasst oder auch aufwändigere Aktionen wie die Gestaltung einer Beach-Landschaft im Schaufenster. Verschiedene Marketingideen wie etwa ein Familienschuhtag als Aktion sollen das Angebot der Verbundgruppe abrunden.
Sabu-Messen und Veranstaltungen erfolgreich
Steigende Aussteller- und Besucherzahlen meldet Sabu für die Messen in Heilbronn. Der Termin, etwa 14 Tage nach der GDS, sei optimal. Den Händlern werde geraten, sich auf der GDS umfangreich zu informieren und dann gut informiert in Heilbronn zu ordern. Die Nachfrage seitens der Aussteller sei weiter hoch; es gebe eine Warteliste, so Krug. Als „elementarer Bestandteil des Kalenders“ soll die Sabu-Messe fortgeführt werden. Im Rahmen der Sabu-Messen sollen auch die Modenschauen ihre Fortsetzung finden; jedoch mit klarer herausgearbeiteten Bekleidungsthemen.
Auch mit den Veranstaltungen des Jahres 2015 zeigt man sich zufrieden. Während des dritten Kinderschuhsymposiums, das bei Ricosta in Donaueschingen stattfand, und während zweier Laufgut-Symposien in Lippstadt und dem französischen Sarrebourg habe es viel konstruktiven Austausch mit den Händlern gegeben, so Krug.
Zwischen dem 9. und dem 20. November trafen sich Sabu-Händler zu Regionaltagen (früher: Businessclub). Mehr als 150 Händler nahmen an den Veranstaltungen teil. Diskutiert wurden mit den Händlern die Themen der kommenden Monate, etwa im Bereich Digitalisierung.
Digitalisierung/EDI
„Wir sind ein Verband von stationären Händlern. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Wie können wir das Internet im Interesse unserer Händler nutzen“, schildert der Sabu-Geschäftsführer den Ansatz seiner Verbundgruppe. Die optimale Positionierung eines Schuhhauses im Netz soll einer von vielen Aspekten sein, derer sich Sabu annimmt.
Als eines der Kernthemen hat die Verbundgruppe EDI definiert. Dies soll in 2016 intensiv weiter vorangetrieben werden. „Systeme sind ein Mittel, um Zeit zu sparen. Der Händler kann sich dann besser auf Ein- und Verkauf konzentrieren. Dafür müssen wir als Verbundgruppe ihm andere Aufgaben abnehmen.“ Bereits kommuniziert ist das modulare Maßnahmenpaket, das Stephan Krug für seine Mitglieder realisieren will. Anfang 2016 sollen alle Händler die ersten beiden Module (Visitenkarte im Netz, Soritment nach Marken) umsetzen können. Aktuell werden bereits 200 Seiten von Sabu-Händlern gepflegt. Krug empfiehlt, mindestens auch Modul 3 (Sortiment nach Artikeln) zu realisieren. Click & Collect (Modul 4) sowie der voll funktionsfähige Onlineshop (Modul 5) könnten für interessierte Händler sinnvolle zusätzliche Leistungen sein.
Für das dritte Quartal 2016 plant Sabu die Lancierung einer Online-Plattform, die die Auftritte der Sabu-Händler bündelt. Hier arbeite man, so Krug, an umfangreichen Konzepten, um das stationäre Geschäft und den Onlineauftritt sinnvoll zu verknüpfen und im Sinne der Kundenanforderungen darzustellen. Man plane einen „ganzheitlichen Ansatz“ bis hin zum Social Media-Konzept. Ein Name sei noch in der Diskussion; dieser soll zeitnah kommuniziert werden. In Heilbronn prüft man derzeit auch die Möglichkeit einer internen ’Tauschbörse‘, auf der bei entsprechender Nachfrage bzw. Überhängen Ware zwischen den Mitgliedern weitergeleitet werden kann.
Warenwirtschaftssystem
Um ’von der Verkaufsfront‘ zu erfahren, welche Themen die Händler besonders bewegen, startete die Verbundgruppe in den letzten Monaten eine Mitgliederbefragung. 700 Unternehmen wurden angeschrieben; mehr als 200 schickten die nicht anonymisierten Fragebögen mit konkreten Informationen zurück. 60% der Befragten gaben an, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein neues Warenwirtschaftssystem einführen zu wollen. Auch vor diesem Hintergrund hat Sabu mit SabuSys ein WWS entwickelt, das inzwischen von 15 Unternehmen genutzt wird. Weitere 30 bis 60 Auslieferungen sind für 2016 geplant. Ziel sei es, so Krug, in den nächsten zwei Jahren 300 Händler mit dem neuen Warenwirtschaftssystem auszustatten.
Kommunikation mit dem Handel
Auf Wunsch der Händler will die Verbundgruppe künftig wieder Erfa-Gruppen einrichten. Für 2016 sind drei Gruppen geplant. Auch personell will sich der Sabu im Bereich Service für die Mitglieder ab März verstärken. Zehn bis 20 Händler sollen in den Gruppen aktuelle Fragen und Themen diskutieren. Im Bereich Kommunikation will Sabu künftig auch auf Digitalisierung setzen. Mindestens einmal pro Monat sollen die Händler einen Newsletter per E-Mail erhalten. Dieser enthält auch Informationen der bisher gedruckten ’WIR‘-Zeitschrift. Im Rahmen der Mitgliederbefragung kam zutage, dass die Händler die Beratungsdienstleistung der Verbundgruppe besonders schätzen. 75% der Befragten Händler halten dieses Angebot für „extrem wichtig“. 73% nutzen die Werbe- und Marketingaßnahmen des Sabu. Insbesondere ’Lust auf Schöne Schuhe‘ findet breite Akzeptanz. Die Internetauftritte ’Lust auf schöne Schuhe‘, ’Laufgut‘ und ’Schuhprofi‘ werden von den Sabu-Händlern als gut bewertet. 44% der befragten Händler gaben an, selber mit einem Kundenbindungsprogramm zu arbeiten. 35% sind auf Facebook aktiv. 11% betreiben einen eigenen Onlineshop. 15 – 20% würden bei entsprechender Unterstützung einen Onlineshop installieren.
Synergien mit der Textilbranche
Mit der Textilverbundgruppe Unitex, an der Sabu beteiligt ist, soll die Zusammenarbeit künftig intensiviert werden. Wer als Schuhhändler bei entsprechender Fläche den Ausbau eines Textilangebots plane, könne vom Leistungsumfang der Unitex profitieren; gleiches gelte für Textilhändler, die sich mit Schuhen beschäftigen wollen.
Know-how für den Handel
Das bewährte Schulungskonzept will die Verbundgruppe auch im kommenden Jahr weiter fortsetzen. Geplant sei zudem, so Krug, zeitnah eine Kooperation mit der LDT Nagold zu starten, z.B. über ein Stipendium, sowie ab 2017/18 eine Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Heilbronn.
Leistungen für die Industrie
Geplant ist nach Angaben von Stephan Krug, den Leistungsumfang der Verbundgruppe auch in Richtung Industrie zu erweitern. „Wir werden einen Teil der Tätigkeiten von Herstellern in Richtung unserer Kunden übernehmen“, so Krug. Dazu könne etwa die Kollektionsmusterung gehören, auch die Platzierung von Aufträgen und eventuell das Logistikthema. Für den Hersteller bedeute dies den Vorteil, dass er statt eines größeren Außendienst-Teams möglicherweise nur Key Account-Betreuung realisiere; die Verbundgruppe leiste dann die Kommunikation mit den weiteren Händlern. „Das wird ganz klar unser Thema sein“, so der Sabu-Geschäftsführer. Dies stelle einerseits einen gleichbleibend hohen und individuell gestaltbaren Service für die Mitgliedsunternehmen sicher und trage andererseits dazu bei, die Vertriebskosten der Hersteller zu reduzieren.
Veranstaltungen 2016
Im Jahr 2016 soll es wieder eine Unternehmerreise geben; Ziel ist dieses Mal der Norden, wobei genau Details noch bekanntgegeben werden sollen. Am 4. und 5. Juni treffen sich die Sabu-Mitglieder zur Generalversammlung in Trier. Anschließend startet das 11. Sabu Open Golfturnier, ebenfalls im Juni 2016.
Auch im Charity-Bereich will sich die Verbundgruppe weiter engagieren. Spendenaktionen für das vom schweren Erdbeben betroffene Nepal sowie für in Deutschland ankommende Flüchtlinge seien 2015 erfolgreich gewesen, so Stephan Krug. 4.000 Paar Winterschuhe wurden im Rhein-Neckar-Raum von Herstellern und Sabu-Händlern bereit gestellt.
Mitgliederzahl stabil
Elf Sabu-Mitglieder haben im Laufe des Jahres 2015 die Verbundgruppe gewechselt; davon laut Stephan Krug neun zur ANWR. Im gleichen Zeitraum habe man indes ebenso viele Neuzugänge begrüßen dürfen, so dass die Zahl der Mitglieder konstant bei 850 liege.
Weitere Details lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 51/52 sowie in Ausgabe 2/2016 ein Interview mit Stephan Krug.