Ausblick: düster
Auch wenn die Stimmung draußen und die positive Interpretation der Zahlen ein optimistisches Bild zeichnen, ziehen die aktuellen Herausforderungen an niemandem spurlos vorbei. Kaufzurückhaltung, hohe Lagerbestände, Inflation und Kostensteigerungen – um nur ein paar der Probleme zu nennen. Auch Stephan Krug muss zugeben: „Bei den Ursachen werde ich jetzt nichts Neues erzählen.“
Arbeiten will er vielmehr an Lösungen: Jede Stellschraube müsse gedreht werden. So geht es beispielsweise für viele Händlerinnen und Händler um mehr Kundenbindung oder die Prüfung des eigenen Orderverhaltens. Für manche gibt es versöhnlichere Nachrichten, für andere wiederum kaum. „Die Abverkäufe waren gut, aber nicht grandios“, heißt es vom Geschäftsführer. Sneaker bleiben im Trend, bleiben gefragt, bleiben aber gleichzeitig liegen. Paradox, dass sie weiterhin so stark geordert werden: „Ich glaube, dass man im ’weißen‘ Bereich aussortieren werden muss.“ Gleichzeitig seien die Händlerinnen und Händler im ersten Halbjahr sehr „diszipliniert mit Rabattaktionen“ gewesen. Während insolvente Filialisten mit Prozenten um sich warfen, wurde hier die Marge über den Umsatz gestellt. Wesentlich pessimistischer ist man bei der Frage nach dem Personal. Deutschlandweit würden branchenunabhängig jährlich unzählige Arbeitskräfte ins Ausland auswandern, um dort unter besseren Konditionen zu arbeiten. Gleichzeitig verabschieden sich jährlich immer mehr Menschen in den Ruhestand. „Wir haben keine Chance, das Problem durch Zuwanderung zu lösen“, erklärt Krug. Völlig kampflos gibt man jedoch nicht auf: Aktuell arbeitet die SABU an einer Lösung, Rentnern Teilzeitmodelle zu ermöglichen. Hierfür müssten zunächst noch steuerliche Fragen geklärt werden.
Für die Mitgliedsunternehmen kündigte SABU Mitte August eine weitere erfreuliche Botschaft an: Im September 2023 können alle angeschlossenen Händler, ob im In- oder im Ausland, für zwei Dekaden die Rechnungen um 30 Tage valutieren. Das ginge „einfach per Mail“ und „unbürokratisch“, so Krug, und vor allem: kostenlos. Besonders in Zeiten von steigenden Zinsen, die die Finanzierungskosten erhöhen, sei ein solcher Schritt wichtig: „Das haben viele Händler nicht auf dem Schirm, dass das auf sie zukommt.“ Die Gemeinschaftsaktion von SABU Schuh-Verbund eG, SABU Schuh & Marketing GmbH und RSB Retail+-Service Bank GmbH ist bereits per Mail beantragbar, das positive Feedback ist groß. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch reicht das?