Stephan Krug: Der Handel sollte sich auch mal kritisch hinterfragen. Wenn ein Händler gut ausgebildetes Personal auf der Fläche haben möchte, muss er seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, sich fortzubilden. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man fertige Leute bekommt. Viele sind Quereinsteiger mit wenig Erfahrung. Es ist wichtig, sich aus allem zu bedienen, was der Arbeitsmarkt hergibt, und diese Menschen dann auf ein einheitliches Niveau zu bringen. Da muss ein Unternehmer auch selbst aktiv werden. Was wir schaffen wollen, ist eine Möglichkeit, den Mitarbeitenden ein gutes Rüstzeug in Sachen Ware und Verkaufen zu geben. Das ist mit einem zeitlichen und monetären Investment verbunden. Das wird gerade intensiv diskutiert. Solange ich als Händler Personal nur als Kostenfaktor sehe und nicht als Wertschöpfung, wird es nicht funktionieren.
Gibt es da Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz?
Hansjörg Egli: Nein, das verhält sich in etwa gleich. Wer in der Schweiz den Beruf des Verkäufers bzw. der Verkäuferin lernen möchte, wird über drei Jahre begleitet. Wir in der ZUSA sprechen früh mit den jungen Leuten über die richtige Kommunikation, über Verkaufsabläufe, Bedarfsermittlung und andere wichtige Themen. Wir haben eine Service-Erlebniskette entwickelt, die auch Teil der Wissenswelt werden wird, damit wir diese Dienstleistung auch anderen Händlern zur Verfügung stellen können. Wer verkaufen lernen will, muss unterstützt werden. Ich sehe, dass sich unsere Händler sehr für den Nachwuchs im Personal einbringen.
Was sind die konkreten Themen, die Sie allen Händlern anbieten?
Stephan Krug: Wir beraten zu Themen wie Warenwirtschaftssystem, Onlinehandel, Aufbau eines CRM, Marketing Tools oder Social Media. Hinzu kommen Informationen zu Konzepten wie Laufgut, das ja bereits in der Schweiz eingeführt worden ist. Wir klären Fragen der Priorisierung und stellen allen Händlern die benötigten Informationen zur Verfügung. Auch das digital veranstaltete Forum Handel ist in Sachen Wissenstransfer ein wichtiger Baustein. Ziel ist es, unsere Händler zukunftsfähig zu machen, damit sie weiter in ihre Geschäfte investieren können.
Hansjörg Egli: Ein weiteres Beispiel ist das Sicherheitsschuh-Konzept SABU Protect, das uns vor Kurzem vorgestellt wurde. Da sind wir auf Augenhöhe, denn wir haben in der Schweiz bereits ähnliche Shop-in-Shop-Konzepte umgesetzt. Das trägt zur weiteren Skalierung bei.
Bei welchen Gelegenheiten treffen sich Händler aus SABU und ZUSA persönlich?
Stephan Krug: Ein Teil der ZUSA-Händler besucht unsere Messe in Heilbronn.
Wir versuchen, zweimal im Jahr vor Ort zu sein. Und es sind Mitarbeiter zu unterschiedlichen Themen regelmäßig in der Schweiz unterwegs. Nicht zu vergessen der Kreis Junger Unternehmer, den wir mittlerweile zweimal im Jahr zusammen organisieren.
Hansjörg Egli: Der KJU ist eine hervorragende Sache, denn die Nachwuchs-Händlerinnen und -Händler haben ganz andere Herausforderungen zu bewältigen als diejenigen, die ihr Unternehmen abgeben.
Wo sehen Sie Herausforderungen für Ihre Verbundgruppen?
Stephan Krug: Es fehlt in der Branche an Möglichkeiten, sich persönlich auszutauschen. Dadurch kommen viele Informationen aus den Unternehmen nicht oder erst spät bei kleineren Händlern an. Wir werden wesentlich mehr tun müssen, wenn es um das Verhältnis zwischen Handel und Industrie geht. Wir müssen verstehen, wo die Marken hinwollen und was das für den Markt bedeutet. Wir werden in eine umfangreichere Beratung unserer Händler gehen müssen, damit ihre Rendite erhöht wird. In diesem Kontext sehe ich einige neue Rollen für uns als Verbundgruppen. Das wird aufwändig, das können wir nur zusammen erreichen – und wir dürfen keine Zeit verlieren. Ein weiteres wichtiges Thema liegt mir am Herzen: Das Datenclearing in Deutschland und der Schweiz muss deutlich schneller und besser werden.