Wie machen die das bloß? Ein großes Land, wenig Leute, aber hip ohne Ende. Zu den schwedischen Exportschlagern gehören neben Bands mit extrem hohem Coolness-Faktor seit Jahren auch Fashion-Brands wie Acne, Whyred und Nudie Jeans. In Schweden spricht man mittlerweile vom ‘Modeundret’ – dem Modewunder.
International genießen die Schweden und ihre Hauptstadt Stockholm in Fashion-Kreisen einen hervorragenden Ruf: Wegweisende Stores, junge, frische Label und jede Menge coole Streetlooks.
Einfach losgelegt
Anton Sandqvist hatte mit dieser Szene bis vor wenigen Jahren nur sehr wenig zu tun. In Stockholm arbeitete er in der Elektrobranche – bis er 2004 auf die Idee kam, sich eine Tasche zu nähen. “Ich war schon immer praktisch veranlagt, habe Möbel gebaut und an meiner Vespa rumgebastelt. Als ich einfach keine schlichte Tasche für meinen Laptop gefunden haben, habe ich einfach selbst eine genäht.” An einer alten Industrienähmaschine entstand kurzerhand das erste Sandqvist-Modell.
An den Reaktionen seiner Freunde merkte Anton schnell, dass er mit seiner spontanen Idee eine Marktlücke entdeckt hatte. “Ständig haben mich Leute auf meine Tasche angesprochen und wollte von mir wissen, wo ich sie gekauft habe.”
Kurzerhand beschließt der Self-made-Designer weitere Taschen zu produzieren und diese zu verkaufen. Als Grundlage diente Anton dabei lediglich ein Nähkurs aus Grundschul-Zeiten. “Ich saß an der Nähmaschine und hab einfach losgelegt”, erinnert er sich. Allerdings verfügt er im Gegenzug aus seinen vorherigen Jobs über langjährige Business-Erfahrungen, die ihm nun im Aufbau eines Kundenstamms zugute kommen. Außerdem steigen kurz darauf Antons Bruder Daniel und Sebastian Westin, ihr gemeinsamer Freund seit Kindertagen, in das junge Unternehmen ein.
Der erste Kunde ist die Stockholmer Boutique Grandpa – ein enormer Schub für Sandqvist. Heute ist das Vertriebsnetzwerk national und international auf eine beachtliche Größe gewachsen. In Deutschland gehören Harvest in München, Breuninger in Stuttgart, Uebervart in Frankfurt und Voo in Berlin zu den Kunden. Zusätzlich betreibt Sandqvist zwei eigene Stores in Stockholm und Göteborg. “Unsere Taschen sind einfach, funktionell und schön.”
An dem ursprünglichen Anspruch von Anton Sandqvist hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Deutlich erweitert hat sich jedoch das Sortiment. Rucksäcke, Laptop-Taschen, Weekender, Gürtel, Portemonnaies und Messenger Bags gehören dazu, vieles davon unisex. Preislich liegen Taschen und Rucksäcke zwischen 100 und 200 Euro im VK. “Unsere Taschen werden in Stockholm designt, in Indien und China produziert und in der ganzen Welt verkauft”, so Anton Sandqvist.
Für ganz normale Menschen
An kreativen Ideen mangelt es ihnen nicht. Die schwedische Natur, Möbel und Architektur, Musik und Bücher dienen Inspirationsquellen. “Ein Mix aus unseren kulturellen Bezügen definiert den Look von Sandqvist. Außerdem bin ich sehr von der Idee angetan, langlebige Dinge herzustellen und wenn sie dann doch einmal kaputt gehen sollten, sie zu reparieren sind”, so Anton Sandqvist. “Wir versuchen immer, alltagstaugliche Taschen mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis anzubieten. Wir sind weder Louis Vuitton noch H&M. Wir designen unsere Sache für ganz normale Menschen, die nicht jeden Tag einen Anzug tragen aber sich dennoch für einen guten Look und Stil interessieren.”