Vor allem als junge Frau sei es vorgekommen, dass man ihre Position und Fähigkeiten unterschätzte, blickt die Unternehmerin zurück. Am Anfang ihrer Tätigkeit bei Brunate sei es zu einer parallelen Veranstaltung von Micam und GDS gekommen. Die beiden Cousins in der Geschäftsführung fuhren nach Düsseldorf. Sara und ihre Cousine Simona reisten nach Mailand, um dort die neue Kollektion zu präsentieren. „Viele Leute kamen vorbei, schauten die Schuhe an und fragten: ‚Wo ist der Chef?‘ – worauf ich entgegnete: ‚Ich bin die Chefin.‘ Das waren unangenehme Situationen.“ Das sei sicher auch ihrem jungen Alter geschuldet gewesen, sagt sie heute, und vieles habe sich verbessert. „Heute bin ich selbstsicher und habe nicht das Gefühl, etwas beweisen zu müssen“, sagt sie. „Ich weiß, wo ich stehe und was ich kann.“ Wenn italienische Zulieferer eine Frauenstimme am Telefon hören, dann könne es aber auch heute noch vorkommen, dass sie nach dem Chef fragen. Sara Gallis Strategie in solchen Momenten sei oft gewesen, Haltung zu bewahren und besonders freundlich zu bleiben, um ihrem Gegenüber aufzuzeigen, wie unangemessen sein Verhalten ist. Ganz anders erlebte sie die Situation in Russland: „Die dortige Schuhbranche ist überwiegend in Frauenhand. Dort fragt man sich, wozu man Männer in diesem Business brauchen könnte.“ In den meisten Märkten, auch in Europa, seien Frauen im Schuhsektor unterrepräsentiert, vor allem in Führungspositionen, ist Galli überzeugt. „Das Problem ist weiterhin, dass sie sich entscheiden müssen zwischen Familie und Job.“ Vor allem in Italien sei es schwierig, beides unter einen Hut zu bekommen. „Und wir haben immer noch diese Männer-Mentalität.“ Ihr selbst sei es als Unternehmerin wichtig, Strukturen zu schaffen, die Mitarbeitenden, vor allem Frauen, Flexibilität bieten. Die Mehrheit der insgesamt 60 Beschäftigten bei Brunate sind weiblich. „Schon allein aus diesem Grund ist es nötig, dass wir als Unternehmen beweglich bleiben.“