schuhbusiness*2026: Das war der Kongress
Das Wichtigste vom Tag
- 13.03.2026
- Christopher Mastalerz, Valentina Görke
- 1 Minute
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Ulrich Volk, Ulrich Focke, Martina Novotny, Dr. Björn Brandt und Moderator Christopher Mastalerz (Foto: Redaktion)
16:45 +++ Dr. Björn Brandt (Brandt Software-Produkte GmbH), Ulrich Focke (Lloyd), Martina Novotny (ANWR) und Ulrich Volk (Schuh Volk) sprechen über den Dauerbrenner Datenaustausch. Focke sieht diesbezüglich einen Rückschritt. Elvis wird nur von knapp 50 seiner Kunden benutzt. „Die Möglichkeiten sind da. Sie müssen nur genutzt werden.“ Volk appelliert an den Handel, Elvis auch als Datengrundlage für weitere Aktionen zu nutzen. Martina Novotny sieht die Problematik darin, einen einheitlichen Prozess für Warenwirtschaftssysteme aufzusetzen. Ihr Appell: bei dem ein oder anderen Prozessschritt die Individualität etwas nach hinten zu stellen, damit mehr Einigkeit herrscht. Gleichzeitig sieht sie eine deutlich höhere Bereitschaft, das Thema anzugehen. +++
16:15 +++ Was sind die ökonomischen Effekte der generativen KI? Generative KI steigert die Produktivität kognitiver Tätigkeiten um etwa 30 %, verlagert knappe Ressourcen in produktivere Bereiche und schafft neue Geschäftsmodelle. Gleichzeitig verändert sie den Wettbewerb: Unternehmen, die KI schneller einsetzen, sichern sich Vorteile, während neue KI-Anbieter in den Markt drängen. Insgesamt stärkt das auch das volkswirtschaftliche Wachstum. Geschäftsmodelle mit hoher KI-Betroffenheit seien regelgebundene, wissensvermittelnde, sprachverarbeitende, inhalteproduzierende, kommunikative Geschäftsmodelle sowie Software-Unternehmen, Inhalteaggregatoren sowie der (Online)Handel. Für den Handel ist KI relevant, da die Themen Research und Entdeckung zunehmend von ihr geprägt sind. Der Bereich Payment hinkt etwas hinterher. Als die nächsten Stufen im Online-Handel nennt Schmidt Auto-Replenishment, Entscheidungshilfe, delegiertes Shopping und autonomen Einkauf. Wichtige Take-aways für kleine und mittlere Händler: Daten maschinenlesbar machen, Nischen als Vorteil nutzen, Content für KI optimieren – und trotz allem nach wie vor auf persönliche Beratung setzen. +++
Prof. Dr. Holger Schmidt (Foto: Redaktion)
16:00 +++ Künstliche Intelligenz: Gamechanger für Wirtschaft und Handel. Dazu spricht Prof. Dr. Holger Schmidt. „Die Transformation, die da auf uns zukommt, wird fundamental sein. Künstliche Intelligenz könnte nicht realer sein.“ Er sieht KI als Basistechnologie, die unsere Gesellschaft substanziell prägen wird: „Generative KI ist eine der größten und effektivsten Technologien zur Veränderung der Arbeitsweise, die je erfunden wurde. Aber großartige Technologie alleine reicht nicht aus. Was man wirklich braucht, ist die Aktualisierung der Geschäftsprozesse, die Umschulung der Belegschaft und manchmal sogar die Änderung der Geschäftsmodelle und der Organisation“, so zitiert er Erik Brynjolfsson in seinem Vortrag. Nicht auf diese Entwicklung zu reagieren, sei kein guter Ansatz. +++
15:50 +++ Zeit für eine weitere Mentimeter-Runde – diesmal zum Thema KI. Ein Großteil der Gäste arbeiten bereits mit KI. Für was nutzt die Mehrheit KI? Marketing, Texterstellung, Bilder und Kommunikation werden häufig genannt. +++
Stephan Krug, Andreas Kolb, Markus Dietrich, Patrick Abend und Moderatorin Petra Steinke (Foto: Redaktion)
15:05 +++ Talk mit Patrick Abend (Wortmann Schuh-Holding KG), Markus Dietrich (Digel AG), Andreas Kolb (Fritz Frank Schuhe + Sport KG) und Stephan Krug (SABU): Die von Stephan Krug präsentierten Ergebnisse kommen nicht überraschend für die Teilnehmenden der Talkrunde. Kolb verfolgt dabei die Strategie, unpassende Ware gar nicht erst anzunehmen. Zugleich macht er deutlich, dass es auf Datenseite einen deutlich engeren Austausch braucht, damit Lieferanten schneller erkennen, welche Ware tatsächlich benötigt wird. Zudem selektiert er bei Lieferanten.
Bei Tamaris wurden bereits 2020 saisonunabhängige Artikelnummern eingeführt. Gleichzeitig betont Patrick Abend, dass NOS nicht die Lösung aller Probleme sei. Ergänzend dazu hat das Unternehmen auch die Liefertermine angepasst, um die richtige Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu machen.
Markus Dietrich zieht einen Vergleich zum Modehandel: „Der Modehandel ist es schon viel länger gewohnt, sich mit dem Thema Saisontaktung zu beschäftigen.“ Man müsse auch die verschiedenen Voraussetzungen im Handel berücksichtigen. Je nach Sortiment, Größe etc. unterscheiden sich die Bedürfnisse. +++
Foto: Redaktion
14:45 +++ „Ein guter Mix aus klassischer Basisware, die regelmäßig aufgefrischt wird, ist entscheidend. Gleichzeitig wird das Potenzial von NOS bislang noch zu wenig genutzt. Hinzu kommt, dass die Replenishment-Anteile rückläufig sind. Umso wichtiger ist ein überzeugenderes und klarer durchdachtes Konzept für die künftige Ausgestaltung der NOS-Anteile.“ Hier bliebe viel Potenzial ungenutzt. Das bedinge allerdings auch eine pünktliche Lieferung, betont Krug. Seine Handlungsempfehlungen: Redesign der Warensteuerung, Ausbau des Replenishment, dynamische Abschriften & Bestandsmanagement und Konsumbedarfe ausschöpfen. Er schlägt ein klares Abschriftenkonzept vor (s. Bild). +++
Foto: Redaktion
14:20 +++ SABU-Geschäftsführer Stephan Krug spricht über das häufig diskutierte Thema der Saisontaktung. Bei der Verbundgruppe SABU wird die hohe Vororder nach wie vor nur in begrenztem Umfang nachgeordert – der Anteil liegt bei etwa 15 %. An diesem Muster habe sich in den vergangenen 35 Jahren nur wenig verändert. Die aktuellen Zahlen zeichnen ein eher negatives Bild: In den kommenden Jahren sei kein nennenswertes Wachstum bei den Absätzen zu erwarten. Krug stellt eine aktuelle SABU-Studie vor. Die zeigt, dass 2025 mehr Ware als 2022 eingesteuert wurde. Zu viel, laut Krug. Es wird mehr eingesteuert, als Bedarf da ist. Es müssen immer wieder neue modische Impulse eingesteuert werden, um Kunden zu inspirieren und Kaufreize zu setzen. Fazit: Eine Saisonverschiebung nach hinten sei zwingend notwendig. +++
13:50 +++ Nach der Mittagspause geht es weiter mit einem Vortrag von René Schnellen (Fashion Cloud GmbH) zum Thema Smart Replenishment. Er deckt verschiedene Mythen auf. Einer davon: „Wir haben zu wenig Bestand für Smart Replenishment.“ Laut Schnellen solle man sich vielmehr fragen: Was hätte ich verkaufen können, wenn ich es auf Lager gehabt hätte? Vertrauen schaffen sei eine wichtige Voraussetzung, damit Händler mitziehen. Im Talk mit Timo Leinweber, Geschäftsführer und Inhaber der AS Gruppe, wird die Wichtigkeit von Verfügbarkeit deutlich. Bei der AS-Gruppe kümmert sich derzeit eine Vollzeitstelle um Replenishment. „Im Schnitt haben wir Vororderquote von 60 %. Das erfordert intensive tägliche Arbeit – auch manuell.“ Momentan soll das NOS-Programm ausgebaut werden. Leinweber empfiehlt jedem Händler, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Die Zeiten von Listen und Anfragen verschicken ist vorbei.“ Er sieht viel Potenzial, das ausgeschöpft werden könne. Als Positivbeispiel führt er die Wortmann Gruppe an, die in dem Bereich sehr zukunftsorientiert denke. +++
12:30 +++ Brune möchte kein Urteil über die Schuhbranche fällen. Aber eine Sache ist ihm aufgefallen. „Ich vermisse bei Schuhhändlern manchmal etwas wenig die Konzentration. Wir haben vor 16 Jahren Esprit ausgelistet. Nicht, weil es nicht lief, sondern weil es nicht ins Konzept passt. Diese Konsequenz wünsche ich dem Schuhhandel auch. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, dass es einen großen Investitionsstau gibt. Auch wenn wir den in Teilen bei uns auch haben.“ +++
12:25 +++ Kai Brune von Henschel hat beim Unternehmen angefangen, als das Unternehmen nur reagieren musste. Mittlerweile ist das Haus mit dem Hauptsitz in Darmstadt und weiteren Häusern in Heidelberg, Lübeck und Michelstadt gut aufgestellt und hat das Konzept um ein Restaurant und regelmäßige Events erweitert. Auch Schuhe gibt es bei Henschel, aber als Schuh-Spezialisten sieht Brune das Modehaus nicht. „Wir verstehen die Schuhwelt eigentlich gar nicht. Die Zusammenarbeit funktioniert ganz anders als in der Textilbranche. Deswegen sind wir eher auf den Zug gesprungen, Schuhe von Lieferanten aufzunehmen, mit denen wir im Textilbereich zusammenarbeiten. Es gibt aber auch Ausnahmen. Lloyd funktioniert zum Beispiel gut. Und wir haben davon profitiert, dass On mit uns als Lifestyle-Händler zusammenarbeitet. Aber auch das ist kein Selbstläufer.“ +++
11:54 +++ „Laufschuhe sind noch ein bisschen die heile Welt. Wenn ein Schuh 180 Euro kostet, wird er auch für 180 Euro gekauft. Auch die Marken sind hinterher, damit die aktuellen Produkte für rund eineinhalb Jahre preisstabil sind“, sagt Frank Beckmann. Die wichtigsten Marken seien New Balance, Asics und Brooks. Nike habe sich vor einigen Jahren komplett aus den Laufläden herausgezogen, doch das habe nicht funktioniert. „Die Sichtbarkeit war komplett weg. Die Umsätze sind gesunken.“ Deswegen sponsert Nike auch bei Run’them aufwändige Events, um wieder in die Laufläden zurückzukommen. +++
11:45 +++ „Es gibt kaum zwei Menschen, die miteinander arbeiten und so unterschiedlich sind wie Philipp und ich. Er ist der Community-Mann und inspiriert sich überall. Aber er legt nicht so viel Wert auf den kaufmännischen Teil. Das kann manchmal kompliziert sein, wenn man Extrarunden drehen muss. Aber es bedeutet auch, dass wir sehr viel Wissen in uns vereinen. Wir beide haben einen Riesenrespekt vor dem anderen. Wir wissen, was der andere kann“, erzählt Frank Beckmann von dem außergewöhnlichen Erfolgsgeheimnis von Run’them. Philipp entwickle immer neue Community-Ideen wie gemeinsame Läufe, die Läuferinnen und Läufer im ganzen Ruhrgebiet anlocken. „Doch nur wegen der Community-Läufe kommt niemand zum Schuhekaufen in den Laden. Dafür braucht es guten Service mit allem, was die Kunden erwarten wie fachlicher Beratung und Laufanalysen.“ +++
Externe Inhalte: Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden.
11:32 +++ Nach der ersten Kaffeepause geht es weiter mit einem Gespräch mit Frank Beckmann. Er eröffnete 2024 gemeinsam mit dem Sneaker-Experten Philipp Wagner den Laufshop Run’them in Bochum. Er erzählt, warum er sich dafür entschieden hat, neben dem Schuhhaus Lötte ein neues Konzept aufzubauen.
10:45 +++ Applaus gibt es für die Aussage „Wir haben die klare Regel, dass wir keine Rabatte geben“ von Bruno Zumnorde. Es gebe jedoch vereinzelt Ausnahmen am Ende einer Saison, wenn Rabatte auf Social Media für die Kundenakquise helfen können und die Kundenakquirierungskosten effektiv senken. „Wir müssen damit experimentieren. Aber es tut mir weh und ich bin kein Fan davon“, stellt der Geschäftsführer klar. +++
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10:29 +++ Bringt Social Media auch Kundinnen und Kunden in den Laden? „Wenn wir eine trendige Ware auf Social Media zeigen, kommen im Haupthaus in Münster immer einige Kunden, die danach fragen. Wir wissen, dass sich der Social Media-Auftritt monetarisiert, können aber nicht genau messen, wie stark der Effekt ist“, erklärt Bruno Zumnorde. Im Übrigen gelte das für Herren wie Damen gleichermaßen. +++
10:24 +++ Zumnorde postet ein Reel auf Instagram am Tag, lässt nahbar einen Blick hinter die Kulissen zu, zeigt Besuche bei Herstellern oder Kundengespräche. „Menschen folgen Menschen“ pflichtet Bruno Zumnorde seinem Vorredner Ole Schartl im Interview über den Erfolg auf Social Media bei. Authentizität sei dabei besonders wichtig. „Vor der Kamera darf ich sein, wer ich bin.“ Wie der Content trotzdem professionell wirkt? „Ich würde fast sagen, Glück“, sagt Zumnorde mit dem ersten Impuls, fügt jedoch hinzu: Viel komme durch Fachwissen über das Thema und ein Gefühl, das man durch die eigene Social Media-Nutzung entwickelt. +++
10:10 +++ Die Zahlen von Hachmeister + Partner machen deutlich, warum Kundenbindung so wichtig ist. Neukunden zu gewinnen, ist fünf- bis 25-mal so teuer wie der Erhalt von Bestandskunden. +++
10:02 +++ Ole Schartl, Partner von Hachmeister + Partner, fasst die KPIs im Schuhfachhandel zusammen. 2025 war ein schwaches Jahr mit sinkenden Roherträgen. Doch der Experte will vor allem Perspektiven aufzeigen. „Ist das der Beginn vom Ende des Schuhhandels? Ich glaube nein. Aber der Markt wird nicht mehr alle gleichermaßen belohnen, sondern nur noch diejenigen, die sich mehr anstrengen.“ Eine Chance liege in der Demografie. Die Zielgruppe der Senioren wurde in den letzten Jahren am meisten vernachlässigt, wächst aber immer weiter. Diese Zielgruppe hat hohe Ansprüche an Qualität und Beratung. Und genau hier könne sich der Fachhandel auszeichnen. +++
09:36 +++ Die Sparquote ist in Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor niedrig. Wenn Geld ausgegeben wird, dann für Gastronomie und Urlaub. Für ihren „Haupturlaub“ geben Deutsche laut Zukunftsforschern pro Tag 130 Euro aus. „Urlaub ist das letzte Refugium, an dem als Letztes gespart wird“, sagt Sternefeld-Geschäftsführer Holger Knapp. Am Konsumverhalten könne die Branche nichts ändern, deswegen müsse sie umso mehr Impulse aufnehmen, was sie ändern kann. +++