Aus Schreiben, die mehrere Händler schuhkurier zur Verfügung gestellt haben, geht hervor, dass Zahlungsrhythmen und Konditionen zum Mai 2023 angepasst wurden. Anstatt mehrerer Gebührenelemente wurde eine einheitliche Verkaufsprovision in Höhe von 23% eingeführt. Die Auslandsversandkosten wurden erhöht, sodass mehr bei den Händlern ankommen soll. Erträge über der Unverbindlichen Preisempfehlung werden beim Händler-Einkaufspreis nicht berücksichtigt und stehen dem Schuhe24-Unternehmen The Platform Group zu. Die Auszahlung sollte nun am Ende des nachfolgenden Monats erfolgen statt wie zuvor Mitte des nachfolgenden Monats. Mit der Reform der Verkaufsprovision sollte der Prozess vereinfacht werden. Der Auszahlungszeitpunkt wurde verschoben, um sich den Mitbewerbern anzupassen, so geht es aus den Schreiben hervor.
Für die Änderungen gab es von den angeschlossenen Händlerinnen und Händlern Kritik. Die Gebührenreform wurde daher wieder rückgängig gemacht, wie ein Händler aus dem Norden berichtet: „Es trifft zu, dass Schuhe24 zu den alten Zahlungsmodalitäten zurückgekehrt ist. Aber trotzdem bleibt es dabei, dass bei Verkäufen über dem UVP der Differenzbetrag bei der Platform Group verbleibt und auch am neuen Zahlungsrhythmus wird festgehalten. Damit haben wir es immer noch mit einer für den Handel ungünstigeren Konstellation zu tun.“
Vor allem berichteten gegenüber schuhkurier einige Händlerinnen und Händler darüber, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein, sowie dass auch der neue Zahlungszeitpunkt nicht eingehalten werde. Eine Händlerin aus Niedersachsen berichtet, dass sie die Information über den neuen Zahlungsrhythmus erst nach mehrmaliger Anfrage bekommen habe: „Die vorherige Praxis war, dass das Geld Mitte des darauffolgenden Monats gekommen ist. Im Mai kam das Geld nicht und erst nach mehreren Mahnungen wurden wir darüber informiert, dass der Zahlungsrhythmus umgestellt wurde.“ Jedoch sei auch die neue Zahlungsfrist nicht eingehalten worden, führt sie aus: „Das Geld für Mai ist auch Anfang Juli noch nicht gekommen. Es ist einfach schade, dass so unpartnerschaftlich mit einem umgegangen wird. Davor lief die Zusammenarbeit eigentlich immer gut.“
Ähnliches bestätigt ein Händler aus dem Westen. „Die Auszahlung April hätte Mitte Mai kommen müssen, blieb aber aus. Nach mehreren Telefonaten und Mails erhielten wir in der zweiten Woche Juni unser Geld. Am 2. Juni wurde seitens der Platform Group mitgeteilt, dass die Auszahlungsmodalitäten geändert werden – und zwar rückwirkend ab 1.6. Demnach sollte die Auszahlung künftig erst zum Ende des kommenden Monats erfolgen, beträfe also die Umsätze ab Mai, die dann erst Ende Juni zur Auszahlung kämen. Auf diese Auszahlung warten wir bisher vergebens.“ Der Händler berichtet, dass er von weiteren Kolleginnen und Kollegen gehört habe, die ähnliche Erfahrungen machten: „Ich kenne zahlreiche Händlerinnen und Händler, denen es genauso ergeht wie uns. Teilweise geht es um erhebliche Summen.“
Ein Schuhhändler aus dem Ruhrgebiet hat die Zusammenarbeit mit Schuhe24 aufgrund dessen mittlerweile gestoppt: „Man verdient mit dem Verkauf über die Plattform kein Geld. Alles in allem ist das nur Geldwechseln, die Portokosten und hohen Gebühren sowie die vielen unberechtigten Retouren fressen an der Marge. Da ist es unverschämt, wenn das Geld nicht kommt und der Händler in die Röhre guckt, womöglich noch Überziehungszinsen zahlen muss. Seitdem wurde auch die Kommunikation eingestellt. Telefonisch ist keiner mehr erreichbar und man wird an den Support für die Kunden weitergeleitet, welcher aber nicht helfen kann.“
Ein offizielles Statement von The Platform Group gibt es auf schuhkurier-Nachfrage nicht.