Trinkgeld ist in der Gastronomie, beim Friseur oder bei anderen persönlichen Dienstleistungen fest etabliert. Im Einzelhandel ist eine zusätzliche Anerkennung für guten Service dagegen bislang nicht selbstverständlich. Die Frage, warum Beratung im Geschäft anders bewertet wird als vergleichbare Serviceleistungen in anderen Bereichen, sorgt aktuell intensiv für Diskussionen.
SABU-Geschäftsführer Stephan Krug hat die Debatte zum Anlass genommen, die Meinung der Mitglieder einzuholen. „Spannend ist für mich die Frage, warum Trinkgeld bei bestimmten Serviceleistungen – etwa im Restaurant oder beim Friseur – ganz selbstverständlich ist, im Handel aber kaum thematisiert wird“, sagt Krug gegenüber schuhkurier. „Genau deshalb haben wir bei unseren Mitgliedern nachgefragt, um ein besseres Gefühl für das aktuelle Stimmungsbild zu bekommen.“
Die Kurzumfrage sei nicht repräsentativ, das Ergebnis fällt dennoch deutlich aus: 93 % der teilnehmenden Händler halten Trinkgeld im Handel bei guter Beratung grundsätzlich für denkbar. Für Krug stehen dahinter vor allem zwei Aspekte: „Daraus spricht einerseits der Wunsch nach mehr Wertschätzung für die Beratungsleistung, die im stationären Fachhandel den Unterschied macht.“
Zugleich sei Trinkgeld in Teilen des Fachhandels bereits Realität. „Gerade in kleinen und mittleren inhabergeführten Geschäften mit persönlicher Fachberatung ist das Thema keineswegs nur eine theoretische Überlegung“, so Krug. Rückmeldungen von SABU-Mitgliedern zeigten, dass Kundinnen und Kunden bereits heute vereinzelt Trinkgeld geben – insbesondere nach intensiveren Beratungen, etwa beim Kinderschuhkauf, bei Outdoor-Schuhen, bei Passformberatungen oder in der Anlassmode.
Krug sieht in der Diskussion zudem einen weitergehenden Effekt: „Sie macht die besondere Beratungsqualität im stationären Handel sichtbarer – und damit auch den Wert einer Leistung, die für viele Kundinnen und Kunden ein entscheidender Grund ist, bewusst vor Ort einzukaufen.“