„schuhhandelhatzukunft“ – so reagiert die Industrie
Reaktionen auf die Händlerinitiative
- 10.08.2023
- Petra Steinke
- 5 Minuten
Reaktionen auf die Händlerinitiative
Wortmann-CEO Jens Beining erklärt auf schuhkurier-Anfrage: „Die herausfordernde Situation in unserer gesamten Branche – auf Handels- wie auch auf der Industrieseite – stellt uns vor Aufgaben, die gelöst werden müssen und Antworten erfordern. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind noch Potenziale zu heben. Dazu ist sicherlich auch ein intensiver Austausch aller Beteiligten die Basis. Da die Thematik sehr vielschichtig ist, müssen dafür meiner Meinung nach der Handel, die Industrie, aber auch die Verbände und evtl. auch die Warenwirtschaftssystemanbieter an einen Tisch. Hier gibt es ja bereits erfolgversprechende Initiativen, wie z.B. aktuell die des BTE zum Thema Datenaustausch. Mit den Initiatoren des offenen Briefes sind wir bereits in persönlichen vertiefenden Gesprächen. Wir begrüßen den offenen und konstruktiven Dialog, der nicht einseitig ist, sondern Raum für Verbesserungen in alle Richtungen gibt. Darüber hinaus sind wir selbstverständlich auch regelmäßig mit allen unseren Partnern im direkten individuellen und lösungsorientierten Austausch.“ (Anm. d. Red.: In Ausgabe 30 haben wir bereits ein Statement von Jens Beining veröffentlicht. Dieses war aber keine Reaktion auf den offenen Brief, sondern stand in einem anderen Kontext.)
Daniel Cholewik (Falc), erklärt gegenüber schuhkurier: „Es trifft zu, dass Schuhhandel derzeit schwer zu rechnen ist. Ich kann die Position der Händler verstehen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass größere filialisierte Händler derzeit größere Probleme haben.“ Josef Renner (Richter) betont, sein Unternehmen habe jetzt nochmals verstärkt auf das Preis-Leistungs-Verhältnis der Schuhe geachtet: „Zehn Modelle werden mit besserer Kalkulation angeboten.“ In einem Schreiben, datiert vom 11. August, zählt Richter die Vorzüge auf, die man dem Handel biete. Dazu gehören ein Bestsellerprogramm, bei dem der Handel zwölf Modelle frei wählen könne, sowie Topseller mit einem 135er-Aufschlag, um eine Kalkulationsverbesserung zu bieten. „Wir freuen uns auf gemeinsame Erfolge und die Intensivierung unserer partnerschaftlichen Zusammenarbeit“, erklärt das Unternehmen. Mit Blick auf den Brief an die Branche und das geplante Branchentreffen am 4. September erklärt Rieker-Verkaufsleiter Harald Riess gegenüber schuhkurier: „Es ist immer wichtig, dass man im Dialog ist.“
„Wir freuen uns auf gemeinsame Erfolge und die Intensivierung unserer partnerschaftlichen Zusammenarbeit.“
Josef Renner|Richter
Ara Shoes-Geschäftsführer Krešimir Zovak erläutert auf schuhkurier-Anfrage: „Ich kann die Sorgen der Fachhändler sehr gut nachvollziehen. Wir sehen uns als Partner des Fachhandels und versuchen alles, um den Fachhandel bestens zu unterstützen.“ Ara biete bereits seit einigen Saisons die Möglichkeit, an Partnerprogrammen teilzunehmen, um die Eingangskalkulationen deutlich zu verbessern und an weiteren Aktionen und Maßnahmen zu partizipieren. Daneben biete man standardmäßig zahlreiche Vorteile wie Frei Haus-Lieferung, Einzelpaarnachbestellung ohne Mindermengenzuschlag, Zahlung mit Skonto und laut Zovak das größte NOS-Angebot der Branche. Aktuell habe man drei Maßnahmen erarbeitet, die man kurzfristig schon im August umsetzen werde. Dazu gehört ein Vortour-Rabatt von 2% für alle Kunden, die in der F/S 24-Vortour Aufträge bis zum 31. Juli platziert haben, sowie ein NOS-Sonderrabatt und ein 200%-Kalkulationsprogramm für Bestseller aus H/W23 und F/S24 umfasst. Hier sollen Premium- und Bestpartner den ersten Zugriff haben. „Wir planen für die Zukunft weitere Sonderprogramme und Maßnahmen, um den Fachhandel zu unterstützen. Natürlich sind wir immer bereit, mit dem Fachhandel in den Dialog zu gehen, und gemeinsam Dinge auszuarbeiten, welche auf beiden Seiten zu Erfolg führen“, so Zovak weiter.
Von Gabor aus Rosenheim heißt es auf schuhkurier-Anfrage: „Wir teilen die Auffassung, dass die Rahmenbedingungen für alle Marktbeteiligten schwierig sind. Pauschale Antworten sind schwierig, daher stehen wir im regelmäßigen individuellen Dialog mit unseren Kunden.“ Der Schuhhersteller Jomos aus Selbitz hat in einem Schreiben an die Initiatoren von „schuhhandelhatzukunft“ reagiert: „Auch wir sind ein Familienbetrieb, der seit knapp 100 Jahren am Produktionsstandort Deutschland versucht, einen fairen Weg zu gehen. Wir verstehen sehr gut, was Sie bewegt“, heißt es darin: „Der permanente Wegfall von deutschen Kunden macht auch uns sehr nachdenklich – ist unsere Branche auf dem richtigen Weg?“ Im engen Austausch mit dem Außendienst habe man einige Ideen entwickelt, die die angesprochenen Probleme zwar nicht lösen würden, aber ein Zeichen dafür seien, „dass uns eine gelebte Partnerschaft sehr wichtig ist“, so das Schreiben weiter.
Es gibt auch kritische Stimmen zu dem Vorhaben der Händler. Diese beziehen sich vorrangig auf die Vermutung, der Handel fordere in erster Linie eine bessere Kalkulation von der Industrie: „Wollen wir den Schuh so teuer machen, dass ihn sich keiner mehr leisten kann?“, fragt ein Anbieter, der nicht namentlich genannt werden möchte. „In Zeiten, in denen ein Abendessen im Restaurant schnell 100 Euro kostet – zusätzlich zu allen anderen Kostensteigerungen – werden weitere Preissteigerungen nicht zu vermitteln sein.“ Er wolle die Händler der Initiative nicht „missionieren“, so der Hersteller. „Aber die Industrie kann die Probleme des Handels nicht lösen. Auch wir haben mit Herausforderungen zu kämpfen. Es wäre gut, wenn sich ein Händler fragen würde, was er selber tun kann, um seine Probleme zu lösen, bevor er die Industrie um Hilfe bittet.“ Ein anderer Hersteller, der seinen Namen ebenfalls nicht im schuhkurier veröffentlicht wissen möchte, bittet, der Handel möge nicht alle Hersteller „in einen Topf werfen.“ „Mich ärgert die Gleichmacherei. Es herrscht immer noch der Mythos, die Industrie, das seien die Reichen. Aber unsere Kosten steigen auch. Wovon sollen wir Schuhe fertigen, wenn niemand bereit ist, sie zu bezahlen?“
Auf schuhkurier-Anfrage reagiert auch der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) mit einer Stellungnahme: „Als Branchenverband sind dem HDS/L die zahlreichen Herausforderungen des Schuhmarktes sowohl auf Seiten des Handels, als auch auf Seiten der Hersteller sehr wohl bewusst. Wir informieren deshalb unsere Mitglieder ständig über neue Entwicklungen wie beispielsweise die Vertikal-GVO, die neue Möglichkeiten im Vertrieb und im Umgang mit Digital-Plattformen eröffnet.“ Energiepreise, Inflation oder die Entwicklung bei gewerblichen Mieten unterlägen immer Schwankungen. Aktuell gebe es hier eher Anzeichen, dass sich die Lage wieder etwas entspannt. „Ein Dialog bzw. Austausch zu den Herausforderungen der Branche muss aber nicht erst gestartet werden“, so der HDS/L weiter. „Dieser findet schon regelmäßig in vielfältiger Art und Weise zwischen Industrie und Handel statt, ebenso zwischen den Verbänden, ob zum Thema IT, Verpackung, Nachhaltigkeit oder Messen. Als Branchenverband bündeln wir die Interessen der Schuhhersteller aus der Arbeit unserer Gremien heraus. Gesprächspartner für uns sind deshalb Gruppierungen mit ähnlichen Organisationsstrukturen wie der BTE und die Einkaufsverbände des Handels. Ein weiteres Dialogforum bei gemeinsamen BBQ in ungezwungener Atmosphäre kann Verständnis zwischen einzelnen Unternehmen fördern, halten wir aber als Verband nicht für die für uns passende Form, um zu Problemlösungen zu kommen.“ Die HDS/L-Mitglieder seien zudem im ständigen Austausch mit ihren vielen Kunden des Einzelhandels. „Sie tun dies vertrauens- und verantwortungsvoll und finden häufig mit ihren Kunden bilateral passgenaue individuelle Lösungen. Das ist in unserer wettbewerbsorientierten, freien Markwirtschaft auch die zulässige und vom Gesetzgeber gewünschte Form des Austausches.“
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