Es ist eine Geschichte, wie sie derzeit in vielen Regionen stattfindet, sie ist Ausdruck des Strukturwandels im Schuhhandel: Am 31. Dezember werden Inhaberin Martina Wendel (63) und ihr Ehemann Peter (66) das in vierter Generation geführte Fachgeschäft Schuhhaus Wendel in Karlstadt schließen. Aktuell läuft der Räumungsverkauf in dem Vollsortiment-Geschäft, das zuletzt den Schwerpunkt auf Damen- und Herrenschuhe gelegt hat.
Eine Nachfolge in der Familie ergab sich für das Traditionsunternehmen nicht. Die Kinder der Wendels haben andere Zukunftspläne – und die Situation im Einzelhandel nimmt die Familie ohnehin als eher angespannt wahr.
Das Inhaber-Ehepaar hat viele Jahrzehnte im Unternehmen verbracht. Zu vielen Kundinnen und Kunden seien vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut worden. Oft sei die Kommunikation mit der Kundschaft über das reine Beratungsgespräch hinaus gegangen.
Gleichwohl haben die Wendels auch Veränderungen im Kundenverhalten erfahren. „Die Menschen werden immer anspruchsvoller“, sagt Peter Wendel gegenüber schuhkurier. „Viele informieren sich im Internet und erwarten, dass wir den gewünschten Schuh haben. Nicht selten wird ein Schuh auch anprobiert und dann fotografiert, um ihn später im Internet zu kaufen.“ Überhaupt seien viele Kunden unfreundlicher geworden. Hinzu komme eine allgemeine Kaufzurückhaltung, die das Schuhhändler-Paar in den letzten Jahren gespürt habe. Am schönsten, sagt Peter Wendel, sei die Zeit gewesen, als es noch kein Internet gab. Die Pandemie hatte dem Unternehmen zusätzlich zu schaffen gemacht.
Jetzt aber sind Peter und Martina Wendel der Meinung, es sei Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. Man verabschiede sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand – lachend, weil dieser wohlverdient sei, und weinend, weil nun eine Ära endet. Was beide sich wünschen? „Dass wir gesund bleiben und im Ruhestand nicht ständig zum Doktor laufen müssen“, sagt Peter Wendel im Gespräch mit schuhkurier.
Wie es mit dem 100 qm großen Ladenlokal bzw. der Immobilie, in der sich das Schuhhaus befindet, weitergeht, ist derzeit noch nicht klar. Das Haus gehört den Wendels.
Die Schließung des Schuhgeschäftes reiht sich ein in eine problematische Entwicklung des Einzelhandels in Karlstadt seit einigen Jahren. Die Stadt in Unterfranken hat etwa 15.000 Einwohner. Am Ort gibt es laut Peter Wendel ein weiteres Schuhhaus mit Damen- und Kinderschuhen sowie ein Geschäft mit Orthopädie-Schwerpunkt – und eine Deichmann-Filiale. Daneben ist die Innenstadt inzwischen auch durch Leerstände geprägt.