Die Kollektion ist das eine, sie zum richtigen Zeitpunkt in den Handel zu liefern, das andere. Die Josef Seibel Schuhfabrik kann alle EDI-Nachrichtenarten liefern; in Hauenstein sieht man diesen Service
als „Hygienefaktor“, wie Carl-August Seibel es beschreibt. In den zurückliegenden Monaten habe man darüber hinaus mit verschiedenen Maßnahmen die Produkt- und Lieferqualität deutlich verbessert,
ergänzt Franziska Seibel. So wurde unter anderem eine neue Software installiert, die die Liefertermine überwachen und Pünktlichkeit sicherstellen soll. Alle Abläufe wurden auch im Hinblick auf mehr Schnelligkeit durchleuchtet. Das ist relevant, weil das Unternehmen neben der kleinen Produktion in Hauenstein vorrangig in Indien (50%) und in China (30%)
fertigen lässt. Weitere Modelle werden in Ungarn hergestellt. In allen Produktionsländern ist Seibel aktuell mit Preissteigerungen konfrontiert. Auch in Ungarn, wo zuletzt der Mindestlohn, aber auch die Kosten für Energie deutlich stiegen. Darum wird in Hauenstein genau hingeschaut, wo Kosten gespart werden können. Als im Jahr 2020/21 die Schuhfabrik in Hauenstein umfassend saniert wurde, wurde auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert, die einen großen Teil des Energiebedarfs decke.
Die Kommunikation mit dem Handel
Tue Gutes – und rede darüber. Dafür will sich die Führungsriege von Seibel in den kommenden Wochen und Monaten stark machen. Dem Außendienst soll künftig eine noch stärkere Rolle zukommen: als Bindeglied zwischen Handel und Lieferant. Die insgesamt sechs Vertreter des Unternehmens in Deutschland seien „ein starkes Fundament“, sagt Sylvia Klemens. Sie sollen, ausgestattet mit Informationen und Materialien, die Vorzüge der neuen Kollektion erklären und auf die Serviceleistungen von Seibel hinweisen. In jeder Orderrunde stellt Seibel umfangreiche Broschüren und Lookbooks zusammen, in denen die einzelnen Linien und Produkte mit allen Features übersichtlich präsentiert werden. „Das ist eine gute Grundlage für die Order“, ist Klemens überzeugt. Bedenken dahingehend, dass in den Booklets, die auch an die Verbraucher verteilt werden können, Schuhe gezeigt werden, die sich nicht im Sortiment eines Schuhhauses befinden, seien übrigens unbegründet: Hier greift das „Riesenlager“ von Josef Seibel – siehe oben. „Da kann man reinschauen und die Schuhe bestellen; binnen zwei Tagen sind sie da“, so Klemens. Wert legt man bei Josef Seibel darauf, dass die zahlreichen Features der Schuhe auch in Richtung des Verkaufspersonals kommuniziert werden. Tex-Materialien, Komfort-Features und besondere Materialien seien schließlich Verkaufsargumente, ist Sylvia Klemens überzeugt. Bewusst hat sich das Unternehmen daher auch dazu entschieden, an der von den Verbundgruppen initiierten Wissenswelt teilzunehmen. Videos und Produktinformationen können dort von interessierten Verkäuferinnen und Verkäufern angeschaut werden. „Wir wünschen uns sehr, dass diese Informationen abgerufen werden“, erklärt Franziska Seibel. Sie spricht auch aus eigener Erfahrung. Das Unternehmen führt selbst insgesamt zehn Geschäfte, darunter vier eigene Markenstores und sechs Multimarkenstores. „Motiviertes und gut informiertes Verkaufspersonal kann den Unterschied machen“, ist Franziska Seibel überzeugt. In diesem Zusammenhang könne der deutsche Handel einiges von den USA lernen, wo das Servicethema eine deutlich größere Rolle spiele. Im Hinblick auf Service wollen die Hauensteiner ein Vorbild sein: Wer als Händlerin oder Händler eine Frage hat oder Unterstützung braucht, kann sich telefonisch oder per E-Mail melden. „Wir haben hier ein hochmotiviertes Team und unterstützen unsere Kundinnen und Kunden“, verspricht Sylvia Klemens. Bilder, Videos und andere Werbematerialien werden dem Handel auf Wunsch ebenfalls zur Verfügung gestellt.
Die Rahmenbedingungen
Carl-August Seibel (66) ist nicht nur Firmenchef; als Vorsitzender des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie engagiert er sich für die Belange der Branche. Die Rahmenbedingungen, sagt er, seien nicht einfach. Der politische Zickzack-Kurs der Bundesregierung nervt ihn. Die zunehmende Bürokratie mache den Firmen das Leben schwer, sagt er. Gesetzesvorhaben wie die europäische Lieferkettenrichtlinie und die Entwaldungsverordnung drohten, die Unternehmen zu überfordern. Zugleich will der Unternehmer die Dinge auch positiv sehen: „Dies ist ein schönes Land. Wir leben hier im Pfälzerwald in einer herrlichen Gegend. Wir können nicht alle davonlaufen, die Unternehmer müssen jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen.“ Die Fachhandelsoffensive in den kommenden Saisons soll dabei einen wichtigen Baustein darstellen.