Weniger Standorte, weniger Beschäftigte und ein kleineres Führungsteam: Shoepassion will mit schlanken Strukturen in die Zukunft gehen.
„Wir sind sehr froh, in diesen herausfordernden Zeiten bisher gut durch das Eigenverwaltungsverfahren gekommen zu sein, und außerordentlich dankbar für die positive Einigung mit unseren Gläubigern und Geschäftspartnern. Es war eine harte Zeit mit tiefen Einschnitten für alle Beteiligten, aber wir blicken optimistisch der anstehenden Verfahrensaufhebung entgegen“, sagt Björn Henning, der das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer vertritt.
In den vergangenen Monaten seien in enger Abstimmung mit dem Restrukturierungsbevollmächtigten, Rechtsanwalt Andreas Budnik von der Kanzlei Andres Partner, wesentliche Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen im Unternehmen umgesetzt worden. Künftig will sich Shoepassion wieder auf das traditionell starke Onlinegeschäft konzentrieren. Zwei der drei Eigenmarken, die Sneakermarke N91 und das klassische Brand Henry Stevens, unter dem Dach des Unternehmens sollen weiter ausgebaut werden. Beide Marken haben inzwischen einen eigenen Onlineauftritt bekommen. Zum Markenportfolio des Handelsunternehmens gehört außerdem Dinkelacker.
Im Zuge der Sanierung wurden in der Folge sieben der vormals zehn Ladengeschäfte geschlossen und das Team um etwa die Hälfte verkleinert. An den verbleibenden Standorten Berlin und Bietigheim-Bissingen wurden neue Räumlichkeiten bezogen. In Frankfurt am Main soll das bestehende Ladengeschäft weitergeführt und entwickelt werden. Das Berliner Headquarter wurde aus dem Stadtzentrum in der Ackerstraße in den Außenbezirk Marzahn verlegt.
Während des Verfahrens wurde auch das Management-Team deutlich verkleinert. So hatte der Geschäftsführer und CFO Daniel Pokorzynski sein Amt bereits zum 30. Juni 2023 niedergelegt. Unternehmenssprecher Tobias Börner hatte Shoepassion zum 31. Oktober 2023 verlassen.
„Das Amtsgericht wird jetzt das Eigenverwaltungsverfahren nach den üblichen gesetzlichen Fristen aufheben. Mit der anstehenden Verfahrensaufhebung durch das Amtsgericht, die wir in einigen Wochen erwarten, wird meine Arbeit bei Shoepassion beendet sein. Damit kann sich das Unternehmen wieder vollständig auf das Tagesgeschäft konzentrieren“, erklärt Restrukturierungsexperte Andreas Budnik, der die Geschäftsführung in allen sanierungsrechtlichen Fragen berät.
Infolge der Corona-Pandemie und des Kriegs Russlands gegen die Ukraine, der damit einhergehenden Energiekrise, Preissteigerungen, Inflation und Konsumzurückhaltung war Shoepassion in eine finanzielle Schieflage geraten. Das Unternehmen, als Onlinehändler gestartet, hatte später Stores eröffnet, die aufgrund der Corona-bedingten Lockdowns und einer danach deutlich geringeren Frequenz die Finanzprobleme des Unternehmens verstärkten. Im März 2023 hatte Shoepassion beim Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Am 1. Juli 2023 wurde das Verfahren eröffnet.