Die Schuhbranche ist emotional. Und überschaubar. Jeder kennt jeden. Das ergibt einen idealen Nährboden für Spekulationen. Im Reich der Gerüchte werden Läden geschlossen, Unternehmen verkauft und Jobs neu vergeben. Quellen? „Hab ich gehört.“ Das muss oftmals reichen. Häufig erweisen sich diese vermeintlichen Neuigkeiten als pure Fantasie. Doch so manches Mal steckt in ihnen auch ein Fünkchen Wahrheit. So wurde in den vergangenen Jahren über ein Thema besonders intensiv gesprochen. Eine neue Schuhmesse sei geplant, hieß es immer wieder. In Köln. In München. In Frankfurt am Main. Als mögliche Initiatoren wurden etliche Branchenteilnehmer genannt. Hinter vorgehaltener Hand, versteht sich. Vor wenigen Wochen kam endlich Licht ins Dunkel: Es ist die Domstadt am Rhein geworden.
Auf dem Veranstaltungsgelände Xpost wird die ’European Shoeshow‘ im kommenden Frühjahr ihre Premiere feiern. Und der Organisator ist ein alter Bekannter: Frank Hartmann war bei der Messe Düsseldorf bis zu seinem Ausscheiden 2009 als Bereichsleiter für die GDS verantwortlich. Mit seiner Veranstaltung erweitert er den bereits überfrachteten Messekalender um einen weiteren Termin.
Entsteht wenige Kilometer von Düsseldorf entfernt die neue Leitmesse der Schuhbranche? Wohl kaum. Einen Großangriff auf die GDS stellt die European Shoeshow nicht dar. Große Lieferanten finden sich auf der Ausstellerliste bislang nicht – und passen nach Aussage von Frank Hartmann auch nicht in das Konzept der Veranstaltung. Klein und fein soll es hier zugehen, sowohl was die Standgrößen als auch die Marktbedeutung der ausstellenden Brands angeht. In Köln sollen nicht Basics, sondern Besonderheiten zur Abrundung des Sortiments im Fokus stehen. Dieses Konzept und auch die Termine im September und März wecken Assoziationen. Vor allem bei den Machern von Moda made in Italy und Essenz dürfte die European Shoeshow zumindest für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Die neue Messe positioniert sich als regionale Alternative zu München. Händler aus dem Westen und Norden, dazu Einkäufer aus Benelux sollen künftig den Weg nach Köln finden. Also Xpost statt Zenithhalle und MOC? Hier muss es zunächst heißen: abwarten. Als kontraproduktiv könnte sich allerdings noch die Unterstützung der European Shoeshow durch den GMS Verbund erweisen. Eine neutrale Plattform solle die Messe sein, betont Frank Hartmann immer wieder. Als ’neutral’ wird die Kooperation mit einer Verbundgruppe in der Branche allerdings nicht empfunden. Die Empfehlung zum Besuch der Messe durch die Verantwortlichen anderer Verbundgruppen ist somit höchst unwahrscheinlich.
Insgesamt bleibt ungewiss, ob der Branche mit dieser neuen Plattform wirklich geholfen ist. Mehr ist nicht immer besser. Es gilt – auch hier: Der Markt wird entscheiden.