Zwischen Customer Journey und Kartonvorwahl, zwischen RFID und Reklamation, zwischen gestern und morgen. Die Welt des stationären Schuhhandels ist kompliziert. Die Anforderungen sind gigantisch. Die täglichen Aufgaben auch. Der Umsatz muss hart erkämpft und zugleich die Digitalisierung vorangetrieben werden. Und ständig wird signalisiert: Werdet wach, bewegt Euch, auf zu neuen Ufern – auch an dieser Stelle. Da kann einem schon schwindelig werden und es fällt schwer, bei all den möglichen Richtungen den optimalen Weg einzuschlagen.
Der Autor Christoph Keese hat vor knapp drei Jahren das Buch ’Silicon Valley‘ veröffentlicht und darin ausführlich beschrieben, „was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt“. Das Buch wurde ein Bestseller und spielte in der Debatte über die Risiken und Möglichkeiten der Digitalisierung eine wichtige Rolle. Es machte vielen Angst, lieferte zugleich aber wichtige Impulse, sich mit Themen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Inzwischen hat Keese nachgelegt und liefert mit ’Silicon Germany‘ gleich eine Auflistung an Möglichkeiten, „wie wir die digitale Transformation schaffen.“
Zahlreiche Traditionsunternehmen in Deutschland hat Keese für seine Recherche besucht, von Audi bis zum Heizungs-Spezialisten Viessmann. Er liefert nüchterne und manchmal schonungslose Analysen zur Ist-Situation einer auf Effizienz und Produktivität getrimmten Nation, die sich offenbar schwer tut damit, neu, anders, quer zu denken.
Die Unternehmer, die in diesem Buch vorkommen, haben mit Schuhen nichts zu tun. Trotzdem wird man, wenn man die von Keese aufgezeichneten Dialoge liest oder hört, an Gespräche auch mit den Größen unserer Branche erinnert. An ihr Ringen um die richtigen Zukunftskonzepte. Die Ansprechpartner des Autoren sind allesamt kluge Köpfe und verantwortungsvolle Unternehmer, Menschen, die das Beste für ihre Firmen wollen. Und die feststellen müssen, dass das Beste keine Lösungen nach dem Motto ’Das haben wir immer schon so gemacht‘ umfasst. Keese beschreibt, wie schwer es ist, vom klassischen Denken in durchorganisierten Prozessen Abschied zu nehmen und eine neue Kultur im Unternehmen zuzulassen. Der Digitalisierungsexperte stellt aber auch dar, dass genau das möglich ist. Vielleicht ist eines der wichtigsten Beispiele im Buch die Erfolgsstory von Tolino, dem E-Book-Reader, den die beiden Buchgeschäfte Thalia und Hugendubel gemeinsam entwickelt haben, um Amazon das Feld der E-Books nicht kampflos zu überlassen. Nein, man wird die Gegebenheiten des Marktes nicht grundsätzlich ändern können. Aber falsch, sogar fatal wäre es, sie tatenlos hinzunehmen. Drei Dinge seien Ihnen daher an dieser Stelle ans Herz gelegt:
- den Kauf des Buchs ’Silicon Germany‘ von Christoph Keese,
- bei Bedarf den Kauf des gleichnamigen E-Books nebst E-Book-Reader und
- der Kauf des Hörbuchs für die nächste längere Autofahrt.