Die H&S Schuhhandelsgesellschaft mbH stellte am 30. Juli einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Am 1. August stimmte das Amtsgericht Aschaffenburg dem Antrag zu. Geschäftsführer Eike Schmidt bleibt dabei weiterhin im Amt und voll handlungsfähig. Die Kanzleien BCLP und White & Case unterstützen das Unternehmen in der Sanierungsphase; letztere stellt mit dem auf Insolvenzen spezialisierten Rechtsanwalt Dr. Nicolai Fischer den vorläufigen Sachwalter.
Er bekundet gegenüber schuhkurier: „Wir sind noch sehr früh im Verfahren, das am 1. August durch das Amtsgericht Aschaffenburg angeordnet wurde. Das Unternehmen hat jetzt drei Monate Zeit, in Eigenverwaltung einen Insolvenzplan auszuarbeiten. Dieser wird voraussichtlich zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. November vorgelegt.“
Genaue Details, wie der Plan inhaltlich aussehen wird, gebe es daher noch nicht, doch erste Schritte und Zielsetzungen wurden bereits festgelegt, so Fischer: „Mit einem Insolvenzplan werden die Gläubiger in der Regel besser-, jedenfalls aber nicht schlechtergestellt als im nächstbesten Alternativszenario. Verkürzt dargestellt schließen die Gläubiger bei Zustandekommen eines Insolvenzplans einen Vergleich, um das Unternehmen zu entschulden und wirtschaftlich zu stabilisieren. Die H&S Schuhhandelsgesellschaft mbH beabsichtigt, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu retten, was in der allgemeinen Situation im Schuhhandel nicht ganz leicht ist. Es wurde von dem Unternehmen und der Eigenverwaltung eine Mindestzahl an Standorten definiert und es werden Gespräche mit den Vermietern geführt, um darüber hinaus Standorte zu erhalten.“ Der Grund für die drohende Zahlungsunfähigkeit liege vor allem in zu hohen Ausgaben. Die Umsätze seien zwar aufgrund der Konsumzurückhaltung gesunken, doch das sei weniger stark ins Gewicht gefallen. Stärker hätten sich erhöhte Personalkosten insbesondere durch die Mindestlohnerhöhungen ausgewirkt. Die Flächen seien zudem zum Teil nicht groß genug, um diese Kosten zu decken.
Zwei Faktoren machen jedoch Hoffnung: „Es wurde mit dem beantragten Schutzschirmverfahren frühzeitig reagiert. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mit dem Baukastensystem des Insolvenzrechts Lösungen für eine langfristige Fortführung gefunden werden können. Das ist nicht immer so: Oftmals versuchen Unternehmen zu lange, sich ohne Sanierung zu retten und leiten das Verfahren zu spät ein, wodurch viele Optionen wegfallen.“ Außerdem seien die Gespräche mit den Marken, für die H&S zehn seiner 16 Geschäfte als Franchise-Konzept betreibt (zwei Gabor-Shops, drei Rieker-Shops, zwei Skechers-Shops und drei Tamaris-Shops), äußerst positiv verlaufen: „Besonders erfreulich ist es, dass die Schuhhersteller bereit sind, ihre Zusammenarbeit mit der H & S Schuhhandelsgesellschaft mbH fortzusetzen.“