Winter ade, scheiden tut weh! In das alte Kinderlied von Hoffmann von Fallers-leben dürfte der Schuhhandel wohl mit Inbrunst einstimmen. Denn der frühe Wintereinbruch hatte zunächst dafür gesorgt, dass die Kassen im Schuhhandel wieder klingeln. „Seit es schneit, sind wir sehr zufrieden“, sagte etwa Elke Hueller-Kern vom Schuhhaus Kern, Laupheim, mit 27 Filialen in Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch schon im Oktober hatte sich die Kauflaune merklich gebessert. „Seit das Wetter mitspielt, läuft es gut“, meldete Karin Hofbauer vom Schuhhaus Hofbauer in Cham mit 17 Filialen in Bayern. „Ich bin gerade dabei, Ware nachzubestellen“, sagte Marko Stark vom Schuhhaus Stark in Nördlingen. „Die Saison lief zwar schleppend an, aber seit dem Wetterumschwung Anfang Oktober machen wir sehr gute Geschäfte“.
Wetter und Wärme
Doch rekapitulieren wir den Saisonverlauf noch mal von Anfang an: In vielen Häusern lief der Saisonauftakt nicht nur schleppend, sondern „gar nicht gut“ bis „ausgesprochen schlecht“, ja sogar „katastrophal“. Der Grund: Im heißesten September seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen ist offenbar jeder Gedanke an neue Schuhe für den Herbst regelrecht verdunstet. Folglich ist die Branche mit einem mehr oder weniger dicken Minus in die Saison gestartet.
Doch dann kam der Oktober – und der war „ganz ordentlich“, gefolgt von einem November, der „mehr oder weniger wie im Vorjahr“ war, so Marc Schreiber vom Schuhhaus Schreiber in Soest. Auch in der Schuhwelt Klever, Schopfheim, mit zehn Häusern im Badischen waren „Oktober und November durchaus zufriedenstellend“, so Inhaber Stefan Klever. Im Schuhhaus Stietzel in Goslar, wo der September immerhin ein Pari und der Oktober sogar ein Plus von 7% gebracht hatte, war die Saison insgesamt „zwar kein Überflieger, aber ganz in Ordnung – und seit Schnee fällt, ganz besonders in Ordnung“, so Inhaber Volkhard Friebel. Aber auch wenn das Wetter für kurze Zeit stimmte: Das Gros der Händler konnte das September-Minus nicht ausgleichen. Und als die Temperaturen wieder stiegen und der akute Bedarf versiegte, brach die Nachfrage umgehend wieder ein.
Frequenz und Stimmung
Und abgesehen vom Wetter? Deutete sich hier und da an, dass auch die Frequenzen sich langsam berappelten, dass die Lust auf einen Stadtbummel und das Interesse der Kunden an neuer Schuhmode stieg. „Seit Oktober ist die Frequenz zufriedenstellend“, sagte Oliver Zentgraf vom Schuhhaus Zentgraf in Fulda und Arzell. „Die Frequenz ist eigentlich ganz gut, die Leute wirken auch recht zufrieden“, beobachtet Stephanie Brinker vom Schuhhaus Brinker in Herne, „das hatte ich so nicht erwartet“. Nachhaltig war diese Entwicklung nicht. Auch mochte die ganz persönliche wirtschaftliche Situation vieler Kundinnen manchem Kaufwunsch einen Riegel vorschieben. „Man merkt einfach, dass den Leuten das Geld fehlt“, sagt Vera Düttmann von Schuh Boshof in Heinsberg.