Spätestens mit dem Ende der GDS hat die heiße Phase begonnen. Die Ordersaison für Frühjahr/Sommer 2017 kommt ins Rollen. Auf den kommenden Veranstaltungen steht nun nicht mehr die unverbindliche modische Information im Mittelpunkt, ab sofort müssen Entscheidungen getroffen werden. Wie wichtig wird das Megathema Athleisure wirklich? Wie viele Sneaker müssen es sein? Was passiert bei Pumps und Ballerinas? Und bei den Herren? Fragen, auf die nun Antworten gefunden werden müssen. Genau hier liegt jedoch die Schwierigkeit: Der Einkauf für das kommende Jahr ist so anspruchsvoll wie selten zuvor. Dafür haben die Saisonverläufe der Vergangenheit gesorgt. Nicht nur das Wetter hat selten gepasst, auch die vermeintlich starken neuen Modethemen haben nicht wie erhofft funktioniert. Hinzu kommt als ’Brandbeschleuniger‘ die zunehmende Konkurrenz durch Online, Textiliten und Vertikale. Die Folge ist eine erhebliche Verunsicherung auf Seiten des Handels. Das war auf der GDS in Düsseldorf deutlich zu spüren. „Wird es wieder besser? Oder kommt es noch schlimmer für uns?“, fragte ein Einkäufer und fasste damit die Sorgen vieler Kollegen in Worte. Eines dürfte dabei klar sein: Die Zeiten von ’business-as-usual‘ sind vorbei. Es sind mehr Arbeit und größere Anstrengungen notwendig, um zumindest den Status quo zu bewahren. Mittelmaß war noch nie so gefährlich wie heute.
Brigitte Wischnewski, Präsidentin des BDSE und Schuhhändlerin aus Ostwestfalen, fand angesichts der aktuellen Situation kürzlich in Düsseldorf die passenden Worte: „Der Handel ist gut beraten, wenn er sein Sortimentsmix immer wieder auf den Prüfstand stellt, zielgruppenbezogen anpasst und auf eine aus Kundensicht überzeugende Warenkompetenz achtet.“ Die Umsetzung dieser Empfehlung erfordert vom Handel eine Turnübung: den Spagat zwischen Risiko und Sicherheit. So wie das Festhalten an alten Verhaltensmustern nicht weiterführen dürfte, wäre es nun auch falsch, in einem radikalen Schritt einfach alles in Frage zu stellen. Auch wenn das Schlagwort ’Disruption‘ aktuell in aller Munde ist – die Schraube der kreativen Zerstörung sollte nicht überdreht werden. Was in der Vergangenheit gut funktioniert hat, sollte weiterentwickelt und an die veränderte Lage angepasst werden. Flexibilität ist gefragt – im Einkauf, in der Warentaktung und der Präsentation am Point-of-Sale. Raus aus der Vergleichbarkeit! Dieses Mantra begleitet die Schuhbranche seit längerem. Und so wird es angesichts der verschärften Wettbewerbssituation auch weiterhin sein. Um eigene Wege zu gehen, ist neben einem fundierten Marktüberblick auch Mut erforderlich. Mut zur Veränderung, Mut zur Lücke und Mut für Neues.
Übrigens: Dieser Ausgabe von schuhkurier liegt der stepguide bei. Darin finden Sie viele Modelle und Lieferanten, die in der kommenden Saison den Unterschied machen können. Auch daher sei Ihnen der stepguide besonders ans Herz gelegt.