Die Internationalität
Bei aller Kritik am neuen Hallenlayout, großen Freiflächen und zu breiten Gängen herrscht in einem Punkt Einigkeit in der Schuhbranche: Die Micam ist als international ausgerichtete Schuhmesse die letzte ihrer Art in Europa. Händler und Einkäufer aus Asien, Japan, Kasachstan und der Mongolei, aber auch aus Australien, Südafrika und Amerika waren nach Mailand gekommen, um Schuhe zu sichten – und wohl auch ein wenig die Stadt bei erstem Frühlingswetter zu genießen. „Für uns ist es vor diesem Hintergrund wichtig, hier zu sein“, erklärte Josef Seibel-Geschäftsführerin Sylvia Klemens, „denn wir möchten neue Kunden finden.“
Ähnlich äußerte sich Dr. Gerhard Bachmaier (Högl): „Wir sind zufrieden mit der Messe. Und wir brauchen sie, weil wir Märkte bedienen, die wir ohne die Micam nicht erreichen würden. Es gibt für uns kaum andere Möglichkeiten, uns zu präsentieren.“ Während deutsche Händler genügend Alternativen haben – und seien es auch Messen mit eher regionalem Charakter –, spreche die Micam weiterhin Kunden anderer Kontinente an und sei darum eine wichtige, ja, unverzichtbare Plattform. Bachmaier freut sich indes auch über den Trend hin zum Brown Shoe und das spürbar steigende Interesse an klassischen oder gar Galanterie-Styles. Feminine Boots, Western Styles, aber auch Loafer und Mokstyle-Varianten rücken stärker in den Fokus. „Es wird etwas angezogener“, so der Högl-Geschäftsführer. „Und wir sprechen von Schuhtypen, die uns und den Schuhhändlern gehören.“
Salvatore Gagliardi (Kroll) präsentierte auf der Micam unter anderem City-Loafer und schlanke Stiefeletten mit mittleren, schmalen Absätzen. Neben Braun setzt die Marke auch auf Rottöne sowie Beige und Grün. „Unsere Schuhe Schuhe kommen gut an“, so Gagliardi. „Aber wir sehen auch, dass vor allem der deutsche Handel sein Limit teils drastisch gekürzt hat.“ Das bestätigen weitere Hersteller. In Rede stehen 20 oder sogar 40%. Damit drängt sich für Lieferanten die Frage auf, wie mit derart angezogener Handbremse im Herbst neue Impulse im Geschäft geboten werden sollen.