Lieferverzögerungen von Schuhen aus Vietnam sind nicht auszuschließen. Betroffen sind vor allem Industrieparks im Süden des Landes, darunter die Binh Duong Industrial Zone, in der sich auch ein Produktionsbetrieb des Merzalbener Schuhanbieters Gerli befindet, sowie der Vietnam-Singapur-Industrial Park. Ralf Grossmann, Geschäftsführer von Gerli, berichtet von Schäden am Gebäude des Produktionsbetriebes. Maschinen seien nicht zerstört worden, auch gab es keine Verletzten. Eine Produktion sei jedoch derzeit nicht möglich.
Auch Produktionsstätten der Detmolder Wortmann Gruppe in Vietnam sind von den Ausschreitungen betroffen. Allerdings habe es nur leichte Sachschäden gegeben, erklärt Dr. Wolfgang Illers, Geschäftsführer der Wortmann-Gruppe, gegenüber STEPTECHNIK. Alle Fertigungsanlagen seien unversehrt. Dennoch habe man sich entschieden, die Produktion für einige Tage stillzulegen. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Grund ist ein politischer Konflikt zwischen China und Vietnam, bei dem es um eine chinesische Bohrinsel geht, die im Südchinesischen Meer installiert wird – eine Region, die Vietnam für sich beansprucht. Offenbar ohne unmittelbares Eingreifen vietnamesischer Sicherheitskräfte kam es im Mai zu massiven Protesten und Zerstörungen nicht nur chinesischer, sondern u.a. auch taiwanesischer Produktionsbetriebe. „Da wir abhängig von Zulieferfirmen wie Sohlenfabriken sind, hat das sicherlich Auswirkungen auf unsere Produktion”, so Grossmann. Die Gerli-eigene Fabrik vor den Toren von Ho Chi Minh City sei bis Oktober ausgelastet, erklärt der Unternehmer im Gespräch mit STEPTECHNIK; man hoffe darauf, schnellstmöglich wieder produzieren zu können. Zu erwarten seien allerdings auch Verzögerungen in der Entwicklung, da beispielsweise Sohlenformen derzeit nicht hergestellt werden. In vielen Fabriken werde nicht gearbeitet; die Aussichten seien ungewiss.
Auch der Militärputsch in Thailand wird von der Schuhbranche aufmerksam beobachtet. Am 23. Mai übernahm die Armee die Macht in den asiatischen Land und verhängte eine Ausgangssperre. Zahlreiche Unternehmen der Schuhbranche arbeiten mit Produktions- und/oder Zulieferbetrieben in Thailand zusammen. Aktuell sei die Lage in dem Land aus Sicht der Industrie jedoch ruhig, berichtet Grossmann, der mit einem Schuhproduzenten vor den Toren Bangkoks zusammenarbeitet. Konsequenzen hat die angespannte politische Lage in Thailand zunächst für den Tourismusbereich. Grossmann: “In der Produktion läuft alles nach Plan.”