Wie lange werden in unserer Branche schon neue Formen der Partnerschaft zwischen Industrie und Handel gefordert? Seit Ewigkeiten. Wie häufig wird über die Vorteile einer engeren Kooperation zwischen beiden Partnern diskutiert? Seit Jahren. Und meist folgt auf diese Debatten dann Ernüchterung oder gleich Resignation, weil das Streben nach dem eigenen Vorteil und das Misstrauen gegenüber dem Anderen überwiegen, weil es am wirklichen Willen und zukunftsgerichteten Konzepten mangelt, und weil man lieber mehr Engagement vom Anderen fordert, als sich selbst zu bewegen.
Die jüngste Meldung aus Detmold kann in dieser frustrierenden Gemengelage ein echter Weckruf sein. Am ersten von zwei Tagen Tamaris Partner-Workshop kündigte die Wortmann KG eine strategische Allianz mit der ANWR Group an. Diese neue Kooperation soll Hersteller und Händler unabhängig von deren Verbundgruppenzugehörigkeit verbinden.
Vor allem aber soll die Partnerschaft der Verbraucherin maximale Convenience bieten. tamaris.com ist dabei weit mehr als ein Onlineshop, er wird zur Plattform, denn die Warenbestände aller Systempartner sind daran angebunden. Und damit nicht genug: Die Plattform aus dem Hause Wortmann wird wiederum an die Plattform schuhe.de angebunden. Künftig können also die Händler, die mit schuhe.de arbeiten, über die E-Commerce-Technologie Qualibet auch tamaris.com ansteuern. Die nun kommunizierten Pläne sind keine Zukunftsvision für die kommenden Jahre. Vielmehr ist der ’Onboarding-Prozess‘ bereits aufgebaut. Die Pilotphase beginnt in wenigen Wochen. Ab dem
1. Juli soll die neue Kooperation stehen.
Der Impuls kommt dabei vom Kunden. Der perfekte Onlineshop bietet ihm ein möglichst umfangreiches Warenangebot, in dem das Produkt seiner Wahl in der richtigen Farbe und Größe verfügbar ist. Und nach erfolgter Bestellung will er die Ware möglichst schnell geliefert
bekommen. Punkt. Es hilft wenig, darüber zu lamentieren, dass man es lieber anders hätte – diese Art des Einkaufens ist längst Regel, nicht Ausnahme.
Den Kunden interessiert es nicht, wer ihm die bestellten Schuhe liefert: der Onlinehändler selbst, der Hersteller, ein Monomarkenstore oder ein Fachhändler mit Multimarken-Geschäft. Auch kümmern den Verbraucher Themen wie die Verbundgruppenzugehörigkeit eines Händlers wenig. Und erst recht nicht die Befindlichkeiten, die in unserer Branche nach wie vor an der Tagesordnung sind – siehe oben.
Welche Kreise die nun angekündigte Kooperation ziehen wird, das zu beobachten wird spannend. Fest steht aber schon jetzt: Es ist der Startschuss auf einem neuen Weg, der für unsere Branche unverzichtbar ist.