Dabei hat Theresa Schleicher vier Trends erkannt und herausgestellt: Zum einen gebe es den wachsenden Wunsch danach, die kleinen Luxusmomente in den Alltag zu integrieren. Zu erkennen sei das an einem Tiktok-Trend, wie Schleicher beschreibt: „Der neueste Hype bei den jüngeren Generationen auf Tiktok ist es, Austern zu schlürfen.“ Auch in kleineren Orten würden Austern-Bars boomen und auch der Modeund Schuhhandel könne davon profitieren. Es gebe den Wunsch danach, aus dem Normalen auszubrechen und den kleinen Glamour-Moment zu genießen, um anzuecken. Und das drücke sich im Mode-Konsum aus, bei dem es gerne auch mal mehr glitzern und funkeln darf. Immer wichtiger für den Handel werden außerdem Konsum-Services.
Es werde sich seit Jahren gefragt, wann Second-Hand-Angebote – mittlerweile oft Pre-Loved genannt – in den Mainstream rücken würden. Dabei seien sie schon längst dort angekommen. 13 Mrd. Euro Umsatz im Jahr werde mit Second Hand erzielt. Und auch die größten Anbieter wie Zara und Zalando beteiligen sich daran. Auch generalüberholte Produkte und Mietmodelle gebe es immer häufiger. Jedoch passe nicht jeder Service zu jedem Produkt. Die Digitalisierung wird über viele Wege weitere Zugänge ermöglichen. Dabei dürfe man nicht nur vom Hype-Thema KI reden. In dessen Schatten gebe es viele weitere Entwicklungen, die neue Arten des Handels ermöglichen. Als Beispiel nennt die Expertin das US-amerikanische Start-Up KX Retail, dessen Technologie es ermöglichen soll, ein Kleidungsstück zu bestellen, das daraufhin in 15 Minuten automatisiert produziert und versandt wird. Doch auch mit weniger futuristischen Konzepten verändert der digitale Fortschritt den Konsum. Sei es, um die Lieferketten transparenter zu gestalten oder Kundenprogramme weiterzuentwickeln. Anders als noch vor einigen Jahren befürchtet, ist die Digitalisierung keine grundsätzliche Gefahr für den stationären Handel. Die Pandemie habe nämlich eines gezeigt: Die Kunden sehnen sich danach, am Point of Sale etwas Besonderes zu erleben. Die Online-Händler versuchten immer häufiger, stationäre Konzepte zu etablieren, denn die Menschen wollen die Erlebnisse vor Ort. Nur müssten sich die Erlebnisse auch wirklich abheben. Es brauche „kreative Leuchttürme“, um Begehrlichkeiten zu wecken, wenn in vielen Städten die gleichen Anbieter die gleichen Konzepte anbieten. Das funktioniere im Kleinen, wenn inhabergeführte Geschäfte in kleinen Orten zusammenarbeiten und gemeinschaftliche Events schaffen, genauso wie im Großen, wenn Konzepte wie Breuninger für einen lebendigen Mix aus Retail, Aufenthaltsqualität und Gastronomie sorgen.