Kaum zu glauben: Wieder ist ein Jahr fast rum. In den Schaufenstern stehen derzeit allerorten die Zeichen auf ’Weihnachtsrausch‘. Der Handel wartet mit Spannung darauf, dass sich aus dem erhofften Rausch ordentliche Umsätze generieren lassen. Es wäre den Unternehmen insgesamt, speziell aber jenen aus Mode- und Schuhbranche, gegönnt, wenn der Umsatz der kommenden Wochen endlich Grund zur Freude böte. Wobei – seien wir ehrlich – das Hemd oder die Bluse sicher ihre Nachfrage finden werden; der Schuh jedoch bekanntlich nicht zu den begehrtesten Artikeln auf weihnachtlichen Einkaufs- und Wunschlisten zählt. Entsprechend ernüchtert geht der Schuhhandel den Endspurt des Jahres an. Was ihm helfen würde, wäre allenfalls ein ordentlicher Wintereinbruch mit klirrender, länger anhaltender Kälte. Dauerregen, Sturm und eine irgendwie farblose Milde reichen nicht, um Kunden in die Schuhgeschäfte zu locken. Und nicht mal auf den Witterungseffekt ist wirklich Verlass. Denn die kalte Periode im November lockte die Kunden nicht massenweise in die Schuhgeschäfte. Man kauft dieser Tage vielleicht gern Unterhaltungselektronik, ein neues Handy, oder man geht schön essen. Aber Schuhe? Die alten tun es doch noch. Und wenn neue, dann bitte reduziert. Wobei 20% schon fast kein Argument mehr sind, das wirklich zieht. Also dürfte das Jahr 2015 für unsere Branche so zu Ende gehen, wie es eigentlich seit nunmehr elf Monaten vor sich hin dümpelt. Nicht katastrophal, aber auch nicht richtig glücklich. Ein schöner Sommer, dafür aber ein schwacher Jahresanfang und ein Herbst, auf den man lieber verzichtet hätte. Unterm Strich: Mittelmäßig durch und durch – mit leichtem Hang zur Depression.
Zukunftsfragen
Und es kommt noch schlimmer. Denn die Witterung ist nur ein Symptom des allgemeinen Unwohlseins. Was lange vorausgesehen und angekündigt wurde, ist inzwischen Realität: Unsere Branche ist im Umbruch, unsere traditionellen und über Jahre erfolgreichen Denkmuster müssen beinahe täglich neu justiert werden. Nichts scheint mehr richtig zusammen zu passen. Zukunftszenarien kreisen nicht mehr darum, welche Strategie am besten ist. Sondern sie befassen sich mit der grundsätzlichen Frage, wer überhaupt eine Zukunft hat.
Angesichts dieser Gemengelage ist es schwierig, als Händler in die Hände zu spucken und die anstehende Saison anzupacken. In neue Ware zu investieren und auch ins eigene Unternehmen. Sich nicht entmutigen zu lassen, sondern Chancen zu suchen und dann auch zu nutzen. In wenigen Wochen beginnt der neue Messemarathon (der es übrigens in sich hat, das steht jetzt schon fest).
Spätestens dann gilt es, einen Haken an 2015 zu machen und nach vorn zu schauen. Mut und Weitblick zu beweisen. Die Dinge eben doch anzugehen, sich inspirieren zu lassen und entschieden zu handeln. Trotzdem.
schuhkurier Ausgabe 49/2015