Die vietnamesische Leder- und Schuhindustrie treibt die Pläne zur Einrichtung eines nationalen Rohstoff- und Komponentenzentrums voran. Der Vorschlag wurde vom Branchenverband Lefaso bei einem Treffen mit Regierungsvertretern eingebracht und zielt darauf ab, die bislang begrenzte Selbstversorgung mit Materialien zu verbessern.
Das Zentrum soll mehrere Funktionen bündeln: Neben der Versorgung mit Rohstoffen ist es auch als Innovations-, Wissenschafts- und Technologiehub gedacht. Ziel ist es, Designkompetenz und Produktionsprozesse weiterzuentwickeln und die Integration in die Modebranche zu stärken. Der Lefaso-Vorsitzende Nguyen Duc Thuan betonte: „Der Schlüssel zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Schuhindustrie liegt in der Anwendung von Wissenschaft und Technologie in der Produktion, der Verbesserung von Designs und der Integration in die Modebranche.“
Vietnam zählt zu den weltweit führenden Exportnationen der Branche. Mit einem Exportvolumen von knapp 29 Mrd. US-Dollar im vergangenen Jahr – davon rund 24,2 Mrd. US-Dollar auf Schuhe – gehört das Land global zu den Top-Playern. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine starke Abhängigkeit von ausländischen Investoren: Rund 80 % der Exporte entfallen auf den Sektor mit ausländischen Direktinvestitionen.
Der Lokalisierungsgrad liegt derzeit bei etwa 55 %, was die Notwendigkeit einer stärkeren inländischen Wertschöpfung unterstreicht. Das geplante Zentrum soll hier ansetzen, indem es die Rohstoffbasis verbreitert, Innovationen in Geschäftsmodellen fördert und die Lieferkette effizienter gestaltet. Perspektivisch könnte Vietnam sogar als Zulieferer für andere Produktionsländer in der Region wie Indonesien, Kambodscha oder Bangladesch auftreten.
Auch politisch erhält das Vorhaben Rückenwind. Die Regierung signalisiert bereits Unterstützung bei regulatorischen Rahmenbedingungen und Investitionen, insbesondere im Bereich Technologie und nachhaltige Entwicklung. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig gesichert und weiter ausgebaut werden.