Die Meldung sorgte am vergangenen Dienstag für einen ordentlichen Nachhall: Zalando gibt eine Gewinnwarnung heraus und senkt die Prognosen. Das brachte eine Menge Klicks auf allen Nachrichtenseiten – auch bei uns. Aufhorchen ließ dabei die Begründung der Berliner: So mache das „aktuelle Marktumfeld“ Zalando zu schaffen. Der lange, heiße Sommer sowie ein verspäteter Start in die H/W-Saison würden das Umsatzwachstum und das bereinigte EBIT belasten.
Nun muss um Zalando niemandem bange sein. Die Geschäftserwartungen wurden lediglich heruntergeschraubt; sie bleiben auf hohem Niveau. Das Wachstum soll demnach am unteren Ende der angestrebten Spanne von 20 bis 25 % liegen. Das EBIT wird voraussichtlich bei 150 bis 190 Mio. Euro liegen – und nicht zwischen 220 bis 270 Mio. Euro. Da ist also keine Gefahr in Verzug. Was der Online-Pure-Player als ’aktuelles Marktumfeld‘ umschreibt, dürfte jedem einzelnen Branchenmitglied – ob nun stationär oder online – bestens bekannt sein. Wobei die Rahmenbedingungen der Unternehmen unterschiedlicher kaum sein können.
Ein wochenlanger Jahrhundertsommer liegt hinter uns und selbst Mitte September knackte das Quecksilber mancherorts erneut die 30°-Marke. Da geht kein Stiefel über die Ladentheke. Und auch kein Übergangsmodell. Es mag bestenfalls ein – wenn auch schwacher – Trost sein, dass diese Schuhe derzeit auch nicht online gekauft werden. Unterdessen zeigt sich bereits, mit welchen Strategien sich Onliner gegen das nicht enden wollende Sommerloch stemmen. Zalando bietet aktuell ’15% auf fast alles‘, darunter selbstverständlich auch zahlreiche Schuhe – der Aktionscode lautet passenderweise ’Herbst15‘. Und Mirapodo gewährt sogar ’20% Extra-Rabatt auf alle Schuhe‘. Das soll – und wird – den Kunden nicht verborgen bleiben. Die werden demnächst in den Läden stehen und nach Rabatten auf aktuelle Ware fragen, weil sie online selbige schon bekommen haben. Damit starten die Herbst-Rabatte in diesem Jahr, noch bevor die Blätter von den Bäumen fallen. Konsequenterweise wäre der Winterschlussverkauf dann schon pünktlich zum Winterstart – also um Weihnachten – fällig. Und Anfang Januar starten die Rabattaktionen für Sandalen…
Dass derlei Aktionen ein beliebtes Mittel sind, um die Kaufkraft anzukurbeln, ist nachvollziehbar. Der kurzfristige Effekt dürfte kaum ausbleiben. Gleichwohl sei – einmal mehr – angemahnt, dass die Folgen dieses Vorgehens verheerend sind. Und langfristig der Trend einer ’Entwertung‘ von Schuhen nur verschärft wird. Unsere Branche steht unter Druck. Das trifft jeden einzelnen. Trotzdem muss die Devise ‘durchhalten‘ heißen. Die Saison ist noch jung. Im Oktober schon könnte sich das ’aktuelle Marktumfeld‘ deutlich entspannen.