Die aktuellen Mid-Season-Sales einiger (vertikaler) Filialisten haben die Modebranche in Aufruhr versetzt. Vor allem mittelständische Modehändler äußern Unverständnis, dass zum Teil noch vor dem kalendarischen Frühlingsanfang bereits Frühjahrsware verramscht wurde. Und das trotz meist zur Jahreszeit passendem Shopping-Wetter, das auch Bedarfskunden anlockte.
Auch Branchenfremde schütteln mittlerweile den Kopf über das Rabatt-Verhalten zumindest eines Teils der Branche. So publizierten etliche Tageszeitungen Ende März einen dpa-Artikel, der sich mit den unverständlichen Mid-Season-Sales beschäftigte. Das Problem dabei: So werden auch Kunden auf Rabattaktionen hingewiesen, die diese bislang noch gar nicht bemerkt haben.
Tatsache ist laut BTE aber auch: Die großen Sale-Plakate bewerben in der Regel nur einen sehr kleinen Teil des Sortiments. Meist beschränke sich der Umfang auf einige Ständer mit Ware von Ende letzten Jahres. Optisch dominiert auch dort aktuelle Frühjahrs-Ware zu regulären Preisen.
In diesem Punkt zeige sich nach BTE-Ansicht ein Dilemma: Wenn die Werbung etwas bewirken will, müsse sie auffallen. Ein den Tatsachen besser entsprechender Slogan wie „Einzelteile reduziert“ locke weniger Kunden als große Sale-Plakate. Wenn dadurch allerdings der Kunde über die Größe der Aktion getäuscht würde, könne die Wirkung leicht ins Negative umschlagen. Die Grenze zur Unseriosität sei dann schnell überschritten. Nicht wenige Kunden dürfte ein solcher ‘Fake-Sale’ sogar verärgern!
Der BTE empfiehlt daher dem Modehandel, gerade jetzt sein Reduzierungsverhalten und die damit verbundene Marketingmaßnahmen gut abzuwägen. Es sei sicher richtig, jetzt schlecht laufende Artikel und Reste alter Kollektionen aus 2016 herunter zu zeichnen und gegenbenenfalls in Clearing-Bereichen zu konzentrieren. Große Sale-Aktionen sollten aber schon aus Imagegründen unterbleiben.
In der aktuellen Situation müsse die neue Mode im Mittelpunkt des Marketings stehen, nicht die Reduzierung von Altware. Und keinesfalls sollte man blindlings und ohne genaue Prüfung auf Sale-Aktionen von Mitbewerbern mit gleichen Maßnahmen reagieren. Schließlich betreffen die Reduzierungen meist Marken und Kollektionen, die man selbst gar nicht führt.