Große Freiflächen und sehr breite Gänge zeugten von der deutlichen Veränderung im Markt, deren Spiegelbild eine Messe immer ist. Trotz des neuen Layouts der Micam war offensichtlich, dass hier kein Zuwachs zu verzeichnen ist. Die Verantwortlichen hatten alles versucht, die (mit der Leder-warenmesse Mipel) insgesamt fünf Hallen sinnvoll zu nutzen. Wahrscheinlich aber hätten alle Schuhhersteller bei einer kompakten Aufplanung auch in drei Hallen gepasst.
Ein gewisser Unmut speziell in Halle 1, wo die Gestaltung der Messe doch sehr luftig war, ist nachvollziehbar. Zumal auch die hier platzierten Aussteller die nicht unerheblichen Kosten der Messeteilnahme auf sich genommen hatten. Sie waren ebenso wie alle anderen Unternehmen vor Ort, um nicht nur bestehende Kunden zu treffen, sondern vor allem auch solche Händler und Einkäufer, mit denen sie noch nicht zusammenarbeiten. Um das zu erreichen, braucht es Frequenz.
Wie groß das Interesse des Handels an einer neuen Kollektion ist, hängt aber nicht allein davon ab, wie viele Menschen in den Gängen unterwegs sind und womöglich zufällig an einem Messestand vorbeikommen. Es ist vor allem die Kollektion, die lockt – oder eben nicht. Und die Frage, bei welchen anderen Gelegenheiten diese Kollektion gesichtet werden kann. In Deutschland gibt es derer viele.
Es war nicht alles super während der drei Tage Messe in Mailand. Das Hallenlayout kann und sollte weiter optimiert werden. Vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele mit hohen Hotelpreisen, angesichts einer allgemeinen Konsum-zurückhaltung und Unsicherheiten in der internationalen Zollpolitik war die Micam aber eine solide Veranstaltung.
Dabei kann nicht oft genug betont werden: Es gibt aktuell keine Alternative zur Messe in Mailand. Und es bahnt sich auch keine an. Wer als Händler das Besondere sucht und eine modische Abrundung seines Sortiments, kommt an der Micam nicht vorbei. Und wer als Lieferant (neue) Kunden in internationalen Märkten erreichen will, auch nicht. Und im Übrigen: Welche Folgen das Zerreden von Veranstaltungen hat, kann man am deutschen Markt sehr gut sehen.