„Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung.“ So und so ähnlich formuliert der Plattformbetreiber Schuhe24 sein Bedauern gegenüber Kunden im Handel, die auf ihr Geld warten. Man arbeite aktiv an einer Lösung, die Buchhaltung sei bereits informiert, man werde Maßnahmen ergreifen, lauten weitere Ankündigungen von Schuhe24. Für viele Händler, die solche Mails erhalten, sind die Formulierungen nicht neu. Etliche Unternehmen befinden sich im Dauerdialog mit Schuhe24. Weil sie seit Monaten auf Auszahlungen warten. Weil es sich teils um erhebliche Summen handelt. Und weil es ihnen, auch wenn die Beträge nicht so groß sind, ums Prinzip geht. Für viele Händler bedeutet die Kooperation mit dem Tochterunternehmen von The Platform Group (TPG) vor allem Stress und Frust. Das ist nicht neu. Schon seit Längerem müssen Unternehmerinnen und Unternehmer oft monatelang warten, bis ihnen Erstattungen für Schuhe, die über die Plattform verkauft wurden, überwiesen werden.
Die ersten Schwierigkeiten
2023 traten die ersten größeren Schwierigkeiten auf. Schuhe24 begründete die Verzögerungen damals mit einer Systemumstellung und neuen Zahlungsrhythmen. Händler kritisierten damals, sie seien zu kurzfristig informiert worden. Zudem hielt Schuhe24 den neuen Rhythmus – Zahlungen am Monatsende des Folgemonats – nicht ein. Einige Händler stoppten daraufhin ihre Verkäufe über die Plattform. Schuhe24 erklärte, man habe die Gebührenstruktur vereinfachen wollen und die Änderungen in Newslettern kommuniziert. Künftig wolle man direkter informieren. Zunächst beruhigte sich die Lage.
Doch Anfang 2024 kam es erneut zu Problemen. Durch die Einführung einer neuen System-Version gab es erneut Verzögerungen. Einige Händler warteten im Juni noch auf Zahlungen aus Februar und März. Die offenen Beträge lagen teils im vier- bis fünfstelligen Bereich. Hinzu kam der Ärger über die Kommunikation: Händler berichteten, dass niemand telefonisch erreichbar sei, E-Mails unbeantwortet blieben und Schreiben immer dieselben Floskeln enthielten. Auf Anfrage des schuhkurier erklärte Schuhe24 damals, es gebe Fälle, in denen Händler ihre Bestände offline genommen hätten. Dadurch werde der Account auf „gekündigt“ gestellt. Zudem habe es Schnittstellenprobleme gegeben. Man wolle manuelle Zahlläufe starten und die Händler in Newslettern über die Abläufe informieren. Schuhe24 betonte, dass bei der Deaktivierung vieler Artikel eine dreimonatige Frist beginne, in der Retouren gesammelt würden. Nach Ablauf dieser Frist erfolge die Auszahlung abzüglich Provisionen und Rücksendekosten. Technische Herausforderungen seien bekannt, man arbeite an Lösungen. Auch in den letzten Wochen lief es für einige Händler nicht rund. Schuhe24 erklärte, bei betroffenen Unternehmen hätten Bestandsänderungen dazu geführt, dass Zahlungen in die Reserve liefen und die Accounts als „gekündigt“ galten.
Gegenüber schuhkurier beklagen Händler nach wie vor Schwierigkeiten bei den Auszahlungen. Alle Unternehmerinnen und Unternehmer, mit denen schuhkurier in Kontakt steht, möchten anonym bleiben.
Schuhe24 will jedenfalls weiter wachsen und gibt sich zuversichtlich. Anfang Juli veröffentlichte das Unternehmen einen Überblick über die bestverkauften Marken und einen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte. Katja Wilde, Leiterin Händlersupport, erklärte darin: „Auch wenn der durchschnittliche Preis leicht gesunken ist, bleibt der Onlinehandel für unsere Partner ein wichtiger Vertriebskanal. Unsere einfache Anbindung ermöglicht es Händlerinnen und Händlern, ohne Risiko zusätzliche Umsätze zu generieren.“