Knallige Farben, Kakteen, heiße Öfen, Hühner – auf der Who’s Next herrschte bunte, laute Straßenatmosphäre. Man kann vor den Veranstaltern nur den Hut ziehen, mit wie viel Kreativität sie auf dem nüchternen, zweckmäßigen Messegelände an der Porte de Versailles ein vibrierendes Ambiente mit mexikanischer Note schufen. Doch die Who’s Next gefiel nicht nur wegen ihren äußeren Verpackung. Auch ihre ‘inneren Werte’ überzeugten.
Wie auf der Premium oder der Bread & Butter können sich Besucher in Paris zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Saison einen Überblick über die modische Entwicklung bei DOB, Haka und Accessoires verschaffen. Dabei bieten die Trendinformationen der Agentur Nelly Rodi wertvolle Orientierung.Zu den rund 2.000 Ausstellern gehörten auch rund 250 Schuhanbieter. Zusammen mit Lederwaren, Modeschmuck und textilen Accessoires präsentierten sie sich gut überschaubar in der ersten Etage der Halle 7. Neben internationalen Branchengrößen stellten sich vor allem im Bereich ‘Mr. und Mrs. Brown’ zahlreiche Designer und junge Marken vor. Ihre Kollektionen lieferten spannende Inspirationen und Anregungen.
Viele Namen sind in Deutschland noch weitgehend unbekannt und kaum vertreten. Dazu zählen zum Beispiel die ausgefallenen Modelle des französischen Designers Vincent Bottesi, die Schuhe der portugiesischen Marke Xperimental oder die Kollektionen des französischen Herstellers Maurice Manufacture. Hervorgehoben werden jeweils die handwerkiche Tradition in der Verarbeitung sowie heimische bzw. zumindest europäische Herkunft der Leder und Materialien. All diese Labels stehen exemplarisch für die gute Möglichkeit auf der Who’s Next, Sortimente zu individualisieren oder gezielt modische Spitzen zu setzen.
Vier modische Richtungen
Mayouri Sengchanh, Geschaftsführerin der Agentur Exalis und Teil des Trendbüros Carlin International, erkennt für Frühjahr/Sommer 2014 vier modische Richtungen: Unter dem Stichwort ‘Urban Nomade’ finden sich folkloristische Muster, Prints sowie eine natürliche, ‘pflanzliche’ Farbwelt. Daneben steht ein futuristisches Thema, in dem Weiß und Schwarz gerne mit Metallics kombiniert werden. Florale Muster, Neon, Transparenz aber auch Pastellfarben prägen schließlich eine Entwicklung, die Mayouri Sengchanh unter dem Stichwort ‘Urban Poets’ zusammenfasst. Materialien wie Baumwolle und Seide verleihen den Kollektionen einen romantischen Touch. Und nicht zuletzt freut sich die Trend-Expertin über eine “Ode an Schwarz. Die klassischen Nicht-Farben sorgen für Ruhe.”
Besucherminus
Die wirtschaftliche Krise in vielen Ländern Europas hinterließ ihre Spuren in der Statistik der Who’s Next. Im Vorfeld rechneten die Veranstalter mit rund 55.000 Besuchern – am Ende der vier Messetage waren es offiziell rund 44.500 Besucher. Allein aus dem Inland reisten 7,5% weniger Einkäufer nach Paris. Der Veranstalter erklärt den Rückgang mit einem bis dato bescheidenen Saisonverlauf. Der Inlandsanteil am Gesamtbesuch beträgt 63%.
Auch wenn sich die Who’s Next nicht mehr mit den Haute Couture-Schauen überschneidet, ist Mayouri Sengchanh überzeugt: “Der frühe Termin in der Saison ist richtig.” Dies unterstreicht vor allem der internationale Zuspruch. Verglichen mit der Who’s Next 2011, die im September stattgefunden hatte, legte der Besuch aus dem Ausland um 6% zu.
Der Besucherzuspruch aus Europa ließ dagegen um 1,8% nach. Allerdings freuten sich die Aussteller über steigende Zahlen unter anderem aus Italien (2.672 Besucher, +10%), Spanien (1.710 Besucher, +7,7%) sowie Deutschland (682 Besucher, +10%). Besonders positiv entwickelten sich die Zahlen aus dem Nahen Osten (+18%). Bei japanischen Einkäufern von Barney’s Japan, Ron Herman, American Rag, Journal Standard (Baycrews) oder United Arrows hat die Who’s Next laut Veranstalter ebenso einen festen Platz im Terminkalender.
Im naächsten Jahr ändert sich daher auch nichts am Termingerüst. Die Kollektionen für Herbst/Winter 2014/15 werden auf der Who’s Next vom 25. bis 28. Januar 2014 vorgestellt.