Die Sorge, die eigenen Core-Kunden durch die Erweiterung der Kundenstruktur zu irritieren, teilen die Outdoor-Brands nicht. „Am Ende des Tages machen wir den gleichen Schuh. Auch der Core-Kunde geht damit spazieren“, heißt es dazu bei Hanwag. Überhaupt wolle man mit seinen Produkten niemanden ausschließen, sondern alle einladen, Outdoor-Aktivitäten zu genießen, egal ob sie nun in der Stadt oder in den Bergen stattfinden, so das Credo. Tatsächlich ist Inklusion innerhalb der Outdoor-Branche ein zunehmend besprochenes Thema. Studien haben nämlich gezeigt, dass die bislang vorherrschende Core-Fokussierung potenzielle Zielgruppen wie Frauen oder People of Colour abschreckt, klassische Outdoor-Geschäfte zu betreten. Auch das spricht für die Erschließung neuer Kanäle. Gleichzeitig weiß auch der Core-Kunde die neuen, urbanisierten Outdoor-Styles zu schätzen. „Wir beobachten, dass dieser Trend von unseren Kernkunden bei Merrell angenommen wird, also Wanderern, Läufern und All-Terrain-Abenteurern, die sich fließend zwischen Trail und Alltag bewegen“, erklärt Stornant von Merrell. „Diese Gruppe schätzt Vielseitigkeit, Leistung und Stil, was sie zu natürlichen Anwendern von Hybridschuhen macht.“
Und welche Art von Schuhen werden durch hybride Modelle ersetzt? „Viele ersetzen damit klassische Sneaker oder leichte Freizeitschuhe, erhalten aber deutlich mehr Funktion“, sagt Hendrik Enders von Lowa. „Sie bieten den Verbrauchern eine vielseitige Option, anstatt zwischen zweckgebundenen Outdoor-Schuhen und Lifestyle-Schuhen wechseln zu müssen“, ergänzt Sarah Stornant von Merrell.
Letzten Endes vollzieht sich beim Outdoor-Schuh eine ähnliche Entwicklung wie vor vielen Jahren bei den Running-Schuhen, die heute aus dem Alltag nicht wegzudenken sind. „Vielseitigkeit wird immer wichtiger, während Performance den Kern weiterhin definiert. Der Anteil der Modelle, die sowohl im Alltag als auch im reinen Outdoor-Einsatz genutzt werden, steigt“, ist der Produktmanager von Lowa überzeugt.