Diese Kompetenz, die Stemp und die Mitarbeiterinnen gerade den Eltern gegenüber ausstrahlen, ist der Unique Selling Point, der das Haus im Kinderschuhsegment herausragen lässt. Ein plakatives Beispiel: Wenn Eltern für das erste Paar Schuhe für ihr Kind in den Laden kommen, gibt es ein durchchoreografiertes Beratungsprogramm. In rund 45 Minuten wird den Eltern erst einmal alles Wichtige über Kinderschuhe und Kinderfüße mitgegeben. Das ist Beratungsleistung und Marketing-Tool zugleich, wie Stemp erklärt: „Die Eltern sollen mit einem Aha-Effekt rausgehen. Dann empfehlen sie uns ihren Bekannten und Verwandten. Teilweise heißt es schon bei der Schwangerschaftsgymnastik: Wenn das Kind mal laufen kann, müsst ihr zu Stemp.“ Werbung macht das Schuhhaus schließlich nicht.
Alle Mitarbeiterinnen sollen das Programm irgendwann verinnerlichen. Sie werden gefördert und gefordert. Nach zwei Jahren hat jede ein WMS-Diplom an der Wand hängen, auch Stemps eigenes Diplom von 1987 ist noch erhalten. Wobei das nur eine Grundlage sein kann. Stemp schult selbst jede Mitarbeiterin akribisch: „Wenn ich eine neue Vollzeitkraft habe, gehen wir alle paar Tage für eine halbe Stunde tief in die Themen rein. Welche Marken wir warum führen, was sie besser oder schlechter macht als andere oder wie wir messen.“ Solange eine Mitarbeiterin noch nicht „fertig“ geschult ist, geht ein Schuh, bevor er das Haus verlassen darf, noch einmal zum Check in die Hände von Stemp oder einer Veteranin, um sicherzugehen, dass er auch wirklich passt. Auch der Kunde soll sich dessen sicher sein. Deswegen gibt es ein neues Paar aufs Haus, falls ein bei Stemp gekaufter Schuh doch einmal Blasen hinterlässt oder zwickt. Das passiere, so Stemp, fünf bis zehn Mal im Jahr und sei ein weiterer Faktor, um die Mund-Propaganda anzufeuern.
Und das scheint auch zu gelingen. Kundinnen und Kunden, die 60 oder 70 Kilometer zum Geschäft fahren, sind keine Seltenheit. In Einzelfällen nehmen sie auch 100 Kilometer Fahrt auf sich. Über die Beratung hinaus bleibt der Laden dank kleiner Aufmerksamkeiten im Gedächtnis; zum Beispiel ein Wickeltisch mit Windeln in drei Größen und Ersatzkleidung, damit ein Kind nicht nass nach Hause gehen muss, wenn es einen „Unfall“ gab. Natürlich gibt es auch Spielzeug für die wartenden Kinder.