Die Zertifizierung bezieht sich immer auf ein Modell. Ein Hersteller, der einen Schuh mit einem Blauen Engel versehen möchte, muss für diesen eine Materialliste einreichen. Dort werden die Komponenten inklusive Gewicht, Herkunft und Lieferanten angegeben. Anhand dessen, welche Materialien mit welcher Behandlung genutzt werden, ergeben sich die Kriterien für die Zertifizierung. Das Unterschreiten der Grenzwerte belasten der Chemikalien müssen die Hersteller anhand von den Ergebnissen zugelassener Labore nachweisen. Für die Einhaltung von Sozialstandards müssen Sozialaudits vorgelegt werden. Bei der Prüfung des Abwassers ist der Blaue Engel auf Abwasserprotokolle aus der Region angewiesen, die in manchen Regionen jedoch erst beschafft werden müssen. Hier prüft der Blaue Engel die Glaubwürdigkeit und die Schlüssigkeit der Ergebnisse.
Warum ist die Zertifizierung von Schuhen so kompliziert?
Da die Schuhe schon weit im Voraus hergestellt werden und für die Zertifizierung Zeit einzuplanen ist, wird „eher keine Saisonware zertifiziert, sondern Klassiker, die länger im Markt bleiben“, sagt Kristin Stechemesser. Außerdem gibt es Farben und Materialien, die in vielen Schuhen verwendet werden, die aber immer mit einer höheren chemischen Belastung einhergehen. Das gelte für Schuhe in knalligen Farben wie Pink oder mit Metallic-Optik. Die Anforderungen des Blauen Engels lassen sich also nicht bei allen modischen Trends einhalten. Auch die Nachprüfungen seien komplizierter als bei anderen Produkten. Wenn das Leder eines Durchläufers im Laufe der Zeit von verschiedenen Lieferanten stammt, ist es schwierig, die Anforderungen jedes Mal einzuhalten. Beispielsweise werden die Chromwerte zweimal jährlich geprüft.
Warum gibt es den Blauen Engel und das EU-Ecolabel?
Parallel zum Blauen Engel gibt es auch das EU-weit geltende EU-Ecolabel mit ähnlichen Anforderungen. Dennoch hätten beide Zeichen ihre Berechtigung, nebeneinander zu existieren, erklärt Stechemesser: „Das EU-Ecolabel gilt in allen 27 Mitgliedsstaaten. Wir müssen uns bei den Anforderungen mit allen Mitgliedsstaaten einigen. Daher müssen wir beim Ambitionslevel auch mal Abstriche hinnehmen. Die Überarbeitungsprozesse sind beim Blauen Engel zudem etwas schneller. Wenn wir etwas überarbeiten werden, können wir das innerhalb eines Jahres umsetzen. Bei der Europäischen Kommission ist das nicht machbar. Beim Ecolabel würde so eine Revision eher zwei bis zweieinhalb Jahre dauern.“ Der Blaue Engel ist also meist etwas strenger und kann sich schneller anpassen. 90% der deutschen Bevölkerung würden laut Stechemesser den Blauen Engel kennen, das EU Ecolabel bisher nur rund 30%. „Der deutsche Verbraucher bzw. die deutsche Verbraucherin schaut schon eher auf das deutsche Label“, führt Stechemesser aus. Ein zusätzliches Label sei also sinnvoll, auch wenn auf eine Harmonisierung der Anforderungen geachtet wird. Eine vertiefte Kooperation zur gegenseitigen Anerkennung gibt es außerdem mit dem österreichischen Umweltzeichen. Über diese Kooperation erhalten auch die Produkte von Legero, Superfit und Think ihre Zertifizierung beim Blauen Engel.