Unternehmen der Schuhbranche diskutierten im Rahmen des Cads-Meetings über die Vorteile von Siegeln wie dem Blauen Engel und der EU-Blume. Der Cads-Vorsitzende Andreas Tepest erläuterte, dass die meisten Produkte von Cads-Mitgliedern die Voraussetzungen für eine Zertifizierung bereits erfüllen. Unternehmen wie Legero United (Think) und Ricosta haben bereits Produkte mit dem Blauen Engel zertifizieren lassen. Für die zu Deichmann gehörende Kinderschuhmarke Elefanten läuft gerade ein Antrag. Karin Kapper, Head of Quality & Sustainability bei Legero United, befürwortet die Zertifizierung mit dem Blauen Engel. „Es ist das Label, mit dem wir vorankommen wollen.“ Das Siegel unterscheide sich beispielsweise vom Österreichischen Umweltzeichen, das keine Schuhe aus chromgegerbtem Leder berücksichtige. Sie wolle aber „kein Material per se“ ausschließen, erklärte Kapper. Einfach ist der Weg zum Blauen Engel allerdings nicht. „Man muss es wollen“, erklärte die Expertin. Es sei viel Bürokratie erforderlich und man müsse sich an der einen oder anderen Stelle im Unternehmen „ein bisschen unbeliebt“ machen, weil viele Daten einzufordern seien. Am Ende aber sei das Erfolgserlebnis doch sehr überzeugend.
Christian Ohnmacht, Einkaufsleiter bei Ricosta, wies darauf hin, dass ein Siegel wie der Blaue Engel vor allem bei längerlebigen bzw. zeitlosen Schuhmodellen Sinn ergebe. Schließlich braucht der Zertifizierungsprozess eine Weile, und wird das mit dem Blauen Engel versehene Schuhmodell dann aus modischen Gründen wieder aus der Kollektion genommen, hat man viel Aufwand mit wenig Nutzen betrieben. Für Ricosta war die Beantragung des Blauen Engel ein Leuchtturmprojekt. Im Zertifizierungsprozess, so Ohnmacht, müsse sich das antragstellende Unternehmen anfangs viele Fragen stellen und auf die Lieferanten von Komponenten zugehen, um alle Informationen zusammenzutragen. „Man braucht einen langen Atem“, bestätigte auch Dominik Bergmeister von Deichmann. Für Andreas Tepest gehört zu den Überlegungen der Schuhbranche, die Anforderungen zwischen Cads, dem Blauen Engel und der EU-Blume möglichst zu harmonisieren. Das aber hält Dr. Kristin Stechemesser (Umweltbundesamt) für schwierig, zumal für die EU-Blume 27 Mitgliedsstaaten zustimmen müssen. Karin Kapper hofft auf mehr Commitment und damit Bekanntheit für Siegel wie den Blauen Engel. Dazu gehöre auch die Schulung des Vertriebs, der über die Vorzüge der zertifizierten Schuhe informiert werden müsse, um diese Informationen wiederum an den Handel zu adressieren. Dominik Bergmeister mahnt handfestere Informationen für die Schuhhersteller an. „Wünschenswert wären praktische Beispiele. Alles ist sehr theoretisch. Eine etwas einfachere Darstellung wäre schön.“ Für Karin Kapper steht fest, dass ihr Unternehmen weiter an Zertifizierungen mit dem Blauen Engel arbeiten werde. „Was wäre denn die Alternative? Nichts tun?“